Reiseblog

Ein Stein aus der Schmiede des Vulkans

Bevor ich meine erfolgreiche Blogparade zu Reisesouvenirs abschließe, möchte ich euch noch eine Geschichte erzählen: wie ich zum glitzernden Stein aus der Schmiede des Vulkans gekommen bin!

Ein Stein aus der Bocca Grande, der Hauptfumarole der Solfatara. Foto © Welz
Ein Stein aus der Bocca Grande, der Hauptfumarole der Solfatara. Foto © Welz

Es war Anfang Oktober, auf den phlegräischen Feldern am Golf von Neapel:
Signor Bruno wartet nicht mehr am Eingang der Solfatara auf die Vulkanbesucher. Ich habe die erste Begegnung mit ihm vor einigen Jahren nie vergessen. Sehr seriös gekleidet, mit einer Zeitung unter den Arm geklemmt, erklärte er in köstlichem Deutsch die Besonderheiten der Campi Flegrei, der brennenden Felder bei Pozzuoli und machte eine wahre Hokus-Pokus Rauch und Feuerzauber-Show. Man erzählt mir an der Kasse, er sei inzwischen 88 Jahre alt (oder mehr) und käme nur noch zum Spaziergang durch den Krater, wenn man ihn dafür bestellt (und bezahlt natürlich). So übernimmt Guglielmo für uns spontan die Führung. Er spricht nur italienisch, ich übersetze für meine kleine Gruppe aus Deutschland und staune, dass ich auch die Fachbegriffe aus dem Vulkanismus ganz gut verstehe.
Mit Strohhut und Bastone=Spazierstock spaziert er voraus, am Campingplatz vorbei zum noch aktiven Teil des Kraters.

Guglielmo führt durch die Solfatara - Foto © Welz
Guglielmo führt durch die Solfatara. Er zeigt uns die beiden „Stufe“, Inferno (Hölle) und Purgatorium (Fegefeuer) genannt. Die beiden Grotten aus der Antike dienten bis zum Ende des 19. Jahrhunderts als natürliche Schwitzbäder.  Foto © Welz

Die Solfatara entstand vor ca. 4000 – 5000 Jahren. Der Krater hat einen Durchmesser von ca. 770 Metern. Die Griechen nannten den Ort „Hephaistou Agorà“, die Schmiede des mythologischen Gottes der Unterwelt. Es wird erzählt, dass noch im 17. Jahrhundert die Kapuzinerpater eines nahe gelegenen Klosters die Teufel der Unterwelt auf den Kraterrändern tanzen sahen. Wir haben sie bei unserer Besichtigung leider nicht gesehen. Aber Guglielmo führt uns allerhand Experimente vor.

Guglielmo sucht sich einen großen Steinbrocken und ... Foto © Welz
Guglielmo sucht sich einen großen Steinbrocken und … Foto © Welz
... lässt ihn auf den Boden plumpsen. Es klingt ganz hohl ... Foto © Welz
… lässt ihn auf den Boden plumpsen. Es klingt ganz hohl … Foto © Welz

Wenn der Stein auf den Boden fällt, vernimmt man ein dumpfes Geräusch der Leere. Stehen wir auf einer riesigen Höhle? Nein, nein, meint unser Führer Guglielmo. Das Geräusch geht auf die porösen vulkanischen Gesteinsschichten unter uns zurück. Na dann ist ja gut.

Vorsicht! es wird gleich ganz heiß, wenn man den Finger in die Erde steckt! Foto © Welz
Vorsicht! es wird gleich ganz heiß, wenn man den Finger in die Erde steckt! Foto © Welz

Wer wagt es, den Finger in die Erde zu stecken? Vorsicht, schon wenige Zentimeter unter der Erdoberfläche ist es sehr heiß. Kein Wunder, dass man hier den Eingang zur Unterwelt vermutet hatte.

Mit seinem Stock skizziert Guglielmo die geographische Situation in den Sand. Foto © Welz
Mit seinem Stock skizziert Guglielmo die geographische Situation in den Sand. Foto © Welz

Der Name Solfatara stammt vom spätlateinischen Wort Sulpha Terra. Die Römer nannten den Ort auch Colles Leucogei (von griech. leukos, das heißt weiß) wegen der weißen Farbe des Bodens.
Die Solfatara gehört mit insgesamt 40 Kratern zu den Campi Flegrei, den brennenden Feldern, erklärt uns Guglielmo und skizziert mit seinem Stock in den Sand. Hier liegen die Solfatara und die 40 Krater, auch unter dem Meer mit einer Magmakammer, ca. 3 km unter der Erdoberfläche. Und da ist der Vesuv mit einer eigenen riesigen Magmakammer. Dazwischen liegt Neapel. …
Mir ist längst klar, dass die Landschaft das Lebensgefühl und das Leben einer Region bestimmt. Am Golf von Neapel lebt man mit der tödlichen Bedrohung durch den Vesuv und der Gefahr durch die aktiven Vulkane der Campi Flegrei. Memento mori, bedenke, dass du sterben musst. Das weiß hier jeder, jeden Tag. Man lebt hier intensiv und voller Genuß. Carpe diem, ist das Lebensmotto.

Nun kommt der Zeitungstrick ... Foto © Welz
Nun kommt der Zeitungstrick … Foto © Welz

Wir sind jetzt bei der Bocca Grande, der Hauptfumarole der Solfatara. Guglielmo faltet die Zeitung, um uns das Phänomen der Luftionisierung vorzuführen. Eine freiwillige Versuchsperson wird gesucht und gefunden. Er zündet die Zeitung an und wedelt mit der brennenden Zeitung am Boden.

Guglielmo macht den Feuerzauber und führt uns das Phänomen der Luftionisierung vor ... Foto © Welz
Guglielmo macht den Feuerzauber und führt uns das Phänomen der Luftionisierung vor … Foto © Welz
Unsere Versuchsperson wird ganz eingenebelt - Foto © Welz
Unsere Versuchsperson wird ganz eingenebelt – Foto © Welz

Die brennende Zeitung bewirkt, dass sich Kohlenstoffteilchen auf den Wasserdampfmolekülen ablagern, die so ihre Transparenz verlieren. Es kommt zu einer starken und faszinierenden Rauchbildung.

Guglielmo legt einen Stein in die Bocca Grande und holt einen Stein für mich heraus. Foto © Welz
Guglielmo legt einen Stein in die Bocca Grande und holt einen Stein für mich heraus. Foto © Welz
Nach dem Feuerzauber holt mir Guglielmo einen glitzernden Stein aus der Bocca Grande, der Hauptfumarole der Solfatara. Foto © Welz
Nach dem Feuerzauber holt mir Guglielmo einen glitzernden Stein aus der Bocca Grande, der Hauptfumarole der Solfatara. Foto © Welz

Die Felsen um die Bocca Grande sind rötlich gefärbt. Das kommt von der Kondensation der im Dampf der Fumarolen enthaltenen Salze wie Realgar (Arsensulfid), Cinabro (Quecksilbersulfid) und Orpimento/ Auripigment. Guglielmo legt einen Stein in die Hauptfumarole hinein und holt einen Stein heraus. Er schenkt ihn mir. Ich bin ganz überrascht. Eine schöne Erinnerung an einen eindrucksvollen Spaziergang in der Solfatara bei Pozzuoli an einem sonnigen Oktobertag.
Danke Guglielmo für die engagierte, eindrucksvolle Führung und für den Stein aus der Schmiede des Vulkans.

Literaturtipp:

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