Reiseblog

Zu Fuß? Von Fiesole nach Settignano!

„Wollen sie wirklich zu Fuß gehen? A piedi? Von Fiesole nach Settignano?“ „Ja, das wollen wir gerne!“ „Dann nehmen sie am besten die Autostraße!“ sagte die freundliche Dame im Touristenbüro in Fiesole und kritzelte mit dem Kugelschreiber auf der Landkarte herum, die sie mir gerade schenken wollte. Eigentlich hätte ich es besser wissen müssen! Ich darf mich nicht nach einem Wanderweg in einem italienischen Tourismusbüro erkundigen, da wird mir meistens abgeraten. Ich hab mich freundlich verabschiedet und mich auf die Beschreibung der Tour 1 „Der Blick auf die Stadt – Von Fiesole nach Settignano“ verlassen, die ich dem Wanderführer von Christoph Hennig entnommen habe: DuMont aktiv Wandern in der Toscana: 35 Touren, Exakte Karten, Höhenprofile

Weg Nr.1 des Club Alpino Italiano CAI – Wegmarkierung. Foto © Welz

Die Wanderung folgt der rot-weißen Markierung Weg Nr.1 des Club Alpino Italiano CAI und ist auch auf der Kompass Karte, Firenze, Chianti: Wandern, Rad / Escursioni, Bike 660 recht gut eingezeichnet. Bei herrlichem Frühlingswetter und mit gutem Rucksackvesper ging es los von der Piazza Mino da Fiesole am Reiterdenkmal vorbei, das die berühmte Begegnung Giuseppe Garibaldis mit Vittorio Emanuele II. im Jahr 1860, den „Handschlag von Teano“ zeigt. Leicht ansteigend, mit herrlichen Ausblicken auf Florenz verlässt man Fiesole, das 295 m hoch liegt.

 

Via di Monte Ceceri in Fiesole – Blick auf Florenz – Foto © Welz

Die erste Überraschung, die nicht im Wanderführer steht: Im Haus an der Ecke Via Giuseppe Verdi/ Via di Monte Ceceri hat im Jahr 1910 der amerikanische Architekt Frank Lloyd Wright gewohnt. Schon lange wollte ich mal das Buch von T.C.Boyle Die Frauen: Roman lesen! Vielleicht erfahre ich da neben seinen Frauengeschichten etwas über diesen italienischen Aufenthalt des berühmten Architekten! Eines ist sicher, von hier hatte er eine phantastische Aussicht auf Florenz!

Fiesole – Via di Monte Ceceri – 1910 hat der amerikanische Architekt Frank Lloyd Wright in diesem Haus gewohnt. Foto © Welz

Der Weg ist abwechslungsreich und sehr gut von Christoph Hennig beschrieben, wir folgen der rot-weißen Markierung bis zum Gipfel des Monte Ceceri (414 m), dem Schwanenberg. Zeit für ein Vesper mit herrlicher Aussicht auf das Arnotal und Florenz.

 

Blick vom Monte Ceceri auf Florenz – Foto © Welz

Hier oben kann man noch die aufgelassenen Steinbrüche sehen, die „Cave di Maiano“ zur Steingewinnung. Hier haben sie den Stein gebrochen, von hier hinunter ins Arnotal nach Florenz transportiert. Die Namen großer Bildhauer der Renaissance erinnern an diese Orte: Benedetto di Maiano (1442-1497), Desiderio da Settignano (1430-1464) u. a. haben hier gearbeitet. Fast unglaublich, wenn ich mir vorstelle, dass diese Männer vor über 500 Jahren in der Ferne genauso die berühmte Kuppel des Doms Santa Maria del Fiore sehen konnten, wie ich heute! Brunelleschi erhielt 1418 den Auftrag, nur 18 Jahre später, 1436  war die großartige Kuppel, das Wahrzeichen von Florenz, fertiggestellt.

 

Cave di Maiano, Steinbrüche am Monte Ceceri – Foto © Welz

Vom Gipfel des Monte Ceceri wollte Leonardo da Vinci seine selbstgebauten Fluggeräte starten lassen. In seinem Kodex über den Vogelflug, der etwa auf das Jahr 1505 datiert wird, finden sich Untersuchungen über das Flugverhalten der Vögel. Daraus entwickelte er Skizzen und Pläne zum Bau von Fluggeräten.

 

Monte Ceceri – Gedenkstein für Leonardo da Vinci. Foto © Welz

Auf dem Gedenkstein steht:

„Der große Vogel wird
sich über dem Rücken
des großen Schwans erheben.
Er wird das Universum
mit Erstaunen erfüllen.
Alle Schriften werden voll seines Rufes sein
und ewiger Ruhm wird dem Orte bleiben,
wo er entstand.“

Nun, das mit dem Fliegen hat nicht geklappt, seine Flugversuche scheiterten, aber Leonardo hat andere großartige Werke geschaffen.

Irgendwann haben wir uns dann vermutlich doch verlaufen, denn der Weg kam mir länger vor, als er in der Beschreibung angegeben war. Ein kurzes Stück mussten wir einen aufgeweichten Kuhpfad hinaufstapfen, dann doch noch ein längeres Stück eine schmale Fahrstraße gehen, aber nach ca. 3 Stunden incl. Vesperpause und ungefähr 8,5 km sind wir in dem kleinen Ort Settignano angekommen. Michelangelo hat hier bei einer Steinmetzfamilie seine Kindheit verbracht, der Renaissance-Architekt Bernardo Rossellino wurde hier geboren.
Zum Glück hatte die nette Enoteca CAFFÉ DESIDERIO an diesem Sonntagnachmittag geöffnet. Da blieben keine Wünsche offen!

Erfrischt konnten wir nun unser eigentliches Ziel ansteuern, den traumhaft schönen Garten der Villa Gamberaia ! Anfang des letzten Jahrhunderts von der rumänischen Prinzessin Ghyka entworfen, wurde er weltberühmt: In der Anlage sind wesentliche Elemente italienischer Gartenkultur vereint.

 

Garten der Villa Gamberaia in Settignano – Foto © Welz

 

Herzlichen Dank meinen Kunstfreundinnen aus Stuttgart für die Wanderlust!

 

 

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  1. Ich frage mich gerade, ob das die Tour ist, die Hesse beschrieben hat?
    Weißt du das?

    LG Ilona

    • Liebe Ilona,
      in seinem Reisetagebuch schreibt Hermann Hesse am 24. April 1901, dass er von Settignano nach Fiesole gelaufen ist. Das könnte tatsächlich der Weg sein, den wir genommen haben. Wir sind in Fiesole gestartet und bis Settignano gewandert mit phantastischen Ausblicken auf Florenz.
      Herzliche Grüsse
      Andrea

    • Andrea

      Liebe Ilona,
      vielen Dank auf den Hinweis auf den Text „Anemonen“ von Hermann Hesse aus dem Jahr 1901. Wir waren auch im April unterwegs, an einem sehr sonnigen und warmen Frühlingstag. Sicher haben wir auch Anemonen = Windröschen gesehen! Es ist ein wunderschöner Spaziergang. In Settignano musst du unbedingt die Villa Gamberaia besuchen. Der Garten ist ein Meisterwerk der Gartenkunst.
      Viele Grüsse, Andrea

  2. Pingback: Zusammenfassung der Blogparade: Euer Florenz | wandernd

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