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Basel: Die drey scheenste Dääg

Punkt 4 Uhr am Montag nach Aschermittwoch gehen in Basel die Lichter aus, und die Tambourmajore geben das Kommando: „Morgestraich – vorwärts marsch!“ Damit beginnen die „drey scheenste Dääg“ in Basel, auf diese exakt 72 Stunden hat man sich 362 Tage lang gefreut und intensiv vorbereitet. Drei Tage lang befindet sich die Stadt jetzt im Ausnahmezustand. Die Basler Fasnacht ist die größte Fasnacht der Schweiz.

Warten auf den magischen Moment! Punkt 4 Uhr schalten die Basler Stadtwerke die Strassenbeleuchtung aus. Foto © Welz

Warten auf den magischen Moment! Punkt 4 Uhr schalten die Basler Stadtwerke die Strassenbeleuchtung aus. Dann beginnt die Basler Fasnacht. Foto © Welz

„Gäll, blyb suuber“ ist das Motto der Fasnacht 2014. Das 1910 gegründete Basler Fasnachts-Comité hat Motto und Motiv für die Fasnachtsplakette ausgewählt. Der Grafiker, Tambour-, Laternen- und Larvenmaler Pascal Kottmann hat die Plakette 2014 gestaltet. Ein Waggis, eine traditionelle Fasnachtsfigur steigt aus einem „Ochsnerkübel“, einem feuerverzinkten Blechmülleimer der Zürcher Firma Ochsner und wischt mit einem Handfeger, dem „Bäseli“ über den Baslerstab, das Wappen der Stadt Basel. Bei der diesjährigen Fasnacht geht es thematisch um Vermüllung, um unsaubere Machenschaften und Machtmissbrauch. Über die Fasnachtsplakette wird die Basler Fasnacht mitfinanziert. Es gibt sie in Kupfer für 8 Franken, in Silber für 16 Franken, in Gold für 45 Franken und als Bijou für 100 Franken. Es besteht kein Kaufzwang, für Fasnachtbesucher sollte es aber eine „Ehrensache“ sein, mit dem Kauf der Plakette einen Beitrag zur Fasnacht zu leisten.

"Morgestraich, vorwärts marsch" geben die Tambourmajore Punkt 4 Uhr das Kommando für die Pfeifer und Tambouren-Cliquen, die nun die nächsten Stunden durch Basel ziehen werden. Foto © Welz

„Morgestraich, vorwärts marsch“ geben die Tambourmajore Punkt 4 Uhr das Kommando für die Pfeifer und Tambouren-Cliquen, die nun alle den selben Marsch spielen, den „Morgestraich“ und die nächsten Stunden musizierend durch Basel ziehen werden. Foto © Welz

Über 80 verschiedene Gruppen oder mehr, die sog. Cliquen ziehen nun stundenlang von ihren Abmarschorten kreuz und quer durch das Zentrum von Basel. Oft kommt es vor, dass sich ihre Wege kreuzen, sie marschieren hintereinander, nebeneinander und gegeneinander. Aber alles geht sehr geordnet vor sich, ohne Drängeln oder Schubsen. Zuerst kommt der Vortrab, der Platzmacher, dann die Pfeifer mit ihren Piccoloflöten, der Tambourmajor und die Trommler, die Tambouren. Alle tragen ein Kostüm und eine Maske, die sog. „Larve“, die das Gesicht vollständig verdeckt. Beim Morgenstreich müssen die Kostüme nicht einheitlich sein, die Kleiderordnung heißt „Charivari“, jeder kann sich kleiden, wie er will. Die Cliquen bringen ihre große Zuglaternen mit, die ihr „Sujet“ vermitteln. Auf dem Kopf tragen sie kleine Kopflaternen.

Über 200 Fasnachtssujets auf Laternen leuchten im Dunkeln ... Foto © Welz

Über 150 Fasnachtssujets auf Laternen leuchten im Dunkeln … Foto © Welz

Die Cliquen stellen schon im August des Vorjahres erste Überlegungen für ihr Sujet an. Für eine gelungene Umsetzung werden Laterne, Kostüme und Requisiten aufeinander abgestimmt. Ein Laternenmaler ist mehrere Wochen damit beschäftigt, die große Zuglaterne herzustellen. Wichtig sind die meist gereimten Verse, die auf die Laterne geschrieben werden und das Sujet erklären. Die Darstellung auf den Laternen wird bis zum Morgenstreich geheimgehalten, verhüllt werden die Laternen in die Innenstadt gebracht.
Im offiziellen Fasnachtsführer „Rädäbäng“ werden die Sujets der Cliquen verzeichnet. Das Fasnachts-Comité hat festgestellt, dass in diesem Jahr die Sujets eher regional/ lokal als international sind. Spitzenreiter der Themen sind Baustellen, Bautätigkeit und Hochhäuser in der Stadt, es geht aber auch um Spionage, Abhören, Datensammeln, um Ernährung, Urban Gardening und um Tattoos.

2013 war Putin ein Thema beim Basler Morgenstraich. Foto © Welz

2013 war Putin ein Thema beim Basler Morgenstreich. Foto © Welz

Beim Morgenstreich 2013 war die russische feministische, regierungs- und kirchenkritische Punkrock-Band Pussy Riot ganz aktuell. Vers auf der Laterne beim Morgenstreich 2013: „Der russisch Patriarch, es isch e Schand, schafft mit em Putin Hand in Hand.“

Am Dienstag, dem zweiten Fasnachtstag werden die Laternen immer auf dem Münsterplatz ausgestellt, so dass man in Ruhe die Bilder betrachten und die Verse studieren kann.

Auch Pussy Riot war ein Thema beim Morgenstreich 2013 in Basel. Foto © Welz

Auch Pussy Riot war ein Thema beim Morgenstreich 2013 in Basel. Foto © Welz

Über 12 000 aktive Fasnachter sind unterwegs, ca. 100 000 Zuschauer drängen sich in den Straßen der Basler Altstadt. Wichtiges Gebot ist für die Zuschauer: keine Verkleidung, keine Pappnasen, keine Fasnachtsschminke. In Basel ist die Verkleidung allein den Aktiven vorbehalten. Sie haben auch Vorrang in den Kneipen und Cliquenkellern, die in dieser Nacht und manchmal die nächsten 72 Stunden lang offen haben. Gegen 6 Uhr bekommen auch wir einen Platz im historischen Gasthaus „Löwenzorn“ am Gemsberg. Man löffelt die Basler Mehlsuppe oder ißt eine Käswähe oder Zwiebelwähe, die traditionellen Fasnachtsspeisen.

Unermüdlich sind die Pfeifer und Tambouren unterwegs beim Basler Morgestraich. Foto @ Welz

Unermüdlich sind die Pfeifer und Tambouren unterwegs beim Basler Morgestraich. Foto © Welz

Gegen Morgen werden die Zuschauer weniger, aber die Cliquen sind weiterhin unermüdlich unterwegs in den Gassen der Altstadt. Nun ist es schön, die Cliquen zu begleiten, sich einfach allein oder mit anderen den Musizierenden anzuschließen und sich durch Basel treiben zu lassen, so lange, bis die Clique vielleicht eine Pause macht oder eine andere Clique den Weg kreuzt, der man sich nun anschließt.

 

Gegen Morgen sind wir an der Pfalz, dem Platz hinter dem Basler Münster, mit herrlichem Blick auf den Rhein und Morgensonne. Auch dort sind die hellen Piccoloflöten und harten Trommeln zu hören. Nirgends kann man diesen Klängen entfliehen. Stundenlang, tagelang schreiten die Cliquen, zu zweit, zu viert oder in einer großen Gruppe durch die Stadt.
Inzwischen sind die Müllmänner gekommen, um den Müll der Nacht wegzuräumen und die Gleise der Trambahnen freizumachen, die ab 9 Uhr wieder für ein paar Stunden fahren werden. Doch die Cliquen drehen weiter unermüdlich ihre Runden, auch ohne Zuschauer.
Das ist so faszinierend, das ist die Magie der Basler Fasnacht.

Am Montag um 13.30 beginnt traditionell der Cortège, der große Umzug mit vielen Wagen und Gruppen, der einer festgelegten Route folgt. Am Montagabend tragen die sog. Schnitzelbängge (Bänkelsänger) in Restaurants und Cliquenkellern ihre Kommentare zu Ereignissen des vergangenen Jahres auf Baseldeutsch vor. Am Dienstag ist Kinderfasnacht, Laternenausstellung und am Abend finden Konzerte der Guggenmusiken statt, auf dem Marktplatz, dem Barfüsserplatz und dem Claraplatz. Am Mittwoch präsentieren sich noch einmal die Cliquen und Guggenmusiken auf der Umzugsroute. Am Abend trifft man sich wieder in den Restaurants und Kellern mit den Schnitzelbanksängern. Bis morgens um 4 Uhr zirkulieren die Fasnächtler durch die Innenstadt. Mit dem Endstreich um 4 Uhr ist die Fasnacht zu Ende. Für dieses Jahr.

Ab dem Basler Faschingsdienstag sind es 40 Tage bis Ostern. Bei der Synode von Benevent wurde 1091 beschlossen, dass an Sonntagen nicht gefastet wird. Um die vierzig Tage vorösterliches Fasten dennoch einzuhalten, musste der Fastenbeginn 6 Tage vorverlegt werden, um die 6 fehlenden Sonntage auszugleichen. Deshalb beginnt bei uns die Fastenzeit schon mit dem Aschermittwoch. Die Basler haben trotz Reformation die alte Regel beibehalten, vor Ostern 40 Tage zu fasten, allerdings haben sie die Fasnacht um einen Tag verlängert. Während in anderen reformierten Orten die Fasnacht ganz abgeschafft wurde, haben die Basler ihre Fasnacht mit ihren Traditionen bewahrt. Sie gilt als die einzige „protestantische Fasnacht“.

Im Januar 2014 hat die Basler Regierung in Absprache mit dem Fasnacht-Comité ein Bekenntnis zur Basler Fasnacht abgegeben. Sie will sich bei der UNESCO bemühen, die Basler Fasnacht als Weltkulturerbe anzuerkennen und in die Liste der Immateriellen Kulturgüter der UNESCO eintragen zu lassen. Die Basler Fasnacht ist einzigartig. Sie hätte es verdient, diese Auszeichnung zu bekommen.

Die Basler Fasnacht ist einzigartig ... Foto © Welz

Die Basler Fasnacht ist einzigartig … Foto © Welz

 

Wollen Sie mich einmal zum Basler Morgenstraich begleiten?

Die nächste Gelegenheit haben Sie in Kürze:

Kunsttag Basel (KT1402162) Sonntag, 14.02.2016/ Montag 15.02.2016
Basler Fasnacht: Morgenstraich, Masken und Maskeraden

Buchung, Informationen und Beratung erhalten Sie im
SpillmannServiceCenter unter  07142 – 97 88-0
Montag – Sonntag: 8:00 – 22:00 Uhr Auch an Feiertagen!

 

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