Reiseblog

Art & Design Museums Basel

Kunststadt Basel - Foto © Welz

Über 40 Museen gibt es in Basel, darunter bedeutende Museen für Kunst, Architektur und Design. Basel ist wirklich eine Museumsstadt, gerne nennen die Basler ihre Stadt die „Kulturhauptstadt“ der Schweiz. „Die Londoner Times hat 2013 ‚the world’s 50 greatest galleries‘ benannt,“ erzählt mir Nadja Elia-Borer von den Art&Design Museums Basel beim vorzüglichen Abendessen im Restaurant Atelier-Teufelhof am Leonhardsgraben, „und das Kunstmuseum Basel lag nach deren Wertung an fünfter Stelle.“
Das hat mich natürlich interessiert. THE TIMES hat die eigene Website gesperrt, man muss bezahlen, wenn man den Artikel lesen will: for Times suscribers only. Aber viele andere Zeitungen und Museen haben über diese Wertung berichtet. Tatsächlich, nach den Uffizien in Florenz, dem Prado in Madrid, der Eremitage in St. Petersburg und dem MoMA in New York folgt an fünfter Stelle das Kunstmuseum Basel. Die Fondation Beyeler nimmt den 35. Platz ein. Das Wiener Leopoldmuseum, selbst an 40. Stelle, hat die Liste ins Netz gestellt.

Brunnen "Die Lebensalter" von Alexander Zschokke vor dem Kunstmuseum Basel mit Blick auf die Baustelle Erweiterungsbau an der Dufourstraße - Foto © Welz

Brunnen „Die Lebensalter“ von Alexander Zschokke vor dem Kunstmuseum Basel mit Blick auf die Baustelle Erweiterungsbau an der Dufourstraße – Foto © Welz

 

Das Kunstmuseum Basel ist wirklich ein besonderes Museum. 1661 kaufte die Stadt Basel eine Privatsammlung, die Sammlung des Gelehrten Basilius Amerbach. Sein Vater war mit dem Humanisten Erasmus von Rotterdam und dem Maler Hans Holbein befreundet. Die Amerbach-Sammlung war der Grundstein für die erste bürgerliche und somit öffentliche Kunstsammlung Europas. 1936 zog das Museum an seinen heutigen Standort am St.-Alban-Graben. Der imposante Bau wurde entworfen von den Architekten Rudolf Christ und Paul Bonatz, mit dem wir Stuttgarter besonders verbunden sind. Er hat den Stuttgarter Hauptbahnhof gebaut, sein Meisterwerk, hier auf dem Waldfriedhof in Stuttgart ist der Architekt begraben. Im Innenhof des Kunstmuseums steht seit 1948 die berühmte Bronzegruppe von Auguste Rodin: Die Bürger von Calais. Rilke, zeitweise Sekretär des Künstlers, hat über die eindrucksvollen Skulpturen geschrieben. Wie reagieren Männer, die den Tod vor Augen haben?

Die Bürger von Calais von Auguste Rodin und Neonröhren von Dan Flavin im Innenhof Kunstmuseum Basel - Foto © Welz

Die Bürger von Calais von Auguste Rodin und Neonröhren von Dan Flavin im Innenhof Kunstmuseum Basel – Foto © Welz 8/2014

Bei meinem Rundgang durch die Sammlung des Museums haben mich diese Werke besonders beeindruckt:
Der Heilige Christopherus von Konrad Witz, um 1435. Wunderbar die Spiegelungen in der Wasseroberfläche, die Ringe, die sich im Wasser um den Heiligen mit dem kleinen Jesusknaben auf dem Rücken ausbreiten.
Der Tod und das Mädchen/ Der Tod und die Frau von Hans Baldung Grien, 1517. Auf den kleinen Tafeln wird der Tod als Liebhaber dargestellt. Das Motiv des Totentanz taucht in dieser Stadt immer wieder auf. Im Spätmittelalter wurden in Basel auf die 60 m lange Friedhofsmauer bei der Predigerkirche Totentanz-Szenen gemalt. Im 19. Jahrhundert wurde die Mauer abgebrochen „als Schandfleck“ der Stadt. Glücklicherweise wurden manche Szenen gerettet. Sie befinden sich heute im Historischen Museum Basel in der ehemaligen Barfüsserkirche. Dort hab ich übrigens ganz prima zu Mittag gegessen! In der Café Bar Füsserkirche gibt es gute Suppen!
Einen tiefen Eindruck hat auch das Bild Valentine Godé-Darel auf dem Totenbett, 1915 von Ferdinand Hodler bei mir hinterlassen. Insgesamt hat der Künstler über 50 Ölbilder, 150 Zeichnungen und 200 Skizzen vom Sterben und Tod seiner krebskranken Geliebten angefertigt. Der Künstler komponierte das Gemälde in horizontalen Streifen, die Linie der Silhouette des Frauenkörpers kann man vergleichen mit der Silhouette der Berggipfel seiner Landschaftsbilder, die daneben hängen. So begrenzt das menschliche Leben, so zeitlos schön die Schweizer Berge. Ein ergreifendes Bild von großer Schönheit!
Eindrucksvoll auch die Windbraut von Oskar Kokoschka, 1914: Der Künstler und seine Geliebte Alma Mahler als Schiffbrüchige auf stürmischer See. Die Liebe endete bald, doch nicht sein Begehren. Zu ihrem 70. Geburtstag 1949 schrieb ihr der Künstler: „In meiner Windsbraut sind wir auf ewig vereint!“
Ach, ich könnte euch noch viel erzählen vom Kunstmuseum Basel, von Picasso und Paul Klee, von Ernst Ludwig Kirchner und Wassily Kandinsky, … Geht selbst mal hin!

Kunstmuseum Basel
St. Alban-Graben 16
CH-4010 Basel
Öffnungszeiten Di – So 10.00 – 18.00 Uhr Mo geschlossen

Bis zum 28.09.2014 war im Kunstmuseum Basel und im Museum für Gegenwartskunst die Sonderausstellung CHARLES RAY – SKULPTUREN 1997-2014 zu sehen.

Aktuelle Information (25/10/2015):
Der Hauptbau des Kunstmuseums Basel wird saniert sowie an den Neubau angebunden und bleibt bis Mitte April 2016 geschlossen.

 

Der Erweiterungsbau Kunstmuseum Basel soll im April 2016 eingeweiht werden. Foto vom Bauzaun © Welz

Der Erweiterungsbau Kunstmuseum Basel soll im April 2016 eingeweiht werden. Christ & Gantenbein Architekten.          Foto vom Bauzaun © Welz

 

Nach dem Besuch des Kunstmuseums bin ich an der Baustelle Neubau Kunstmuseum Basel durch die hübsche St.-Alban-Vorstadt bis zum Rhein spaziert. Am St.-Alban-Rheinweg 60 befindet sich das Museum für Gegenwartskunst, das ich schon lange einmal besuchen wollte. Das Museum wurde 1980 eröffnet und befindet sich in einer ehemaligen Papierfabrik, die von den Basler Architekten Katharina und Wilfrid Steib umgebaut und erweitert wurde. In den großzügigen Räumen überraschende Begegnungen mit großen Werken zeitgenössischer Kunst! Faszinierend die Wavemachines, 1995 von Olafur Eliasson. Ich beobachte, wie in den schmalen Wasserbecken Welle für Welle entsteht, sie sich ausbreitet bis zum Ende des Beckens und wieder zurückwandert, die neuen Wellen durchkreuzend …
Unglaublich die Geschichte des Shedboatshed (Mobile Architecture No 2): Der englische Künstler Simon Starling entdeckte 2005 einen alten Bootsschuppen, daraus baute er ein Boot, mit dem er den Rhein herauffuhr bis Basel, wo er im Museum aus dem Boot wieder den Holzschuppen rekonstruierte. Im 2. Stock des Museums wird eine umfangreiche Sammlung von Werken von Joseph Beuys gezeigt. Ich habe wirklich gestaunt über diese qualitätsvolle Sammlung zeitgenössischer Kunst. Großartig!

Museum für Gegenwartskunst
St. Alban-Rheinweg 60
CH-4010 Basel
Öffnungszeiten Di – So 11.00 – 18.00 Uhr Mo geschlossen

Am Rheinufer steht das Denkmal für einen verlorenen Handschuh von Ilya Kabakov, 1998. Foto © Welz

Am Rheinufer steht das Denkmal für einen verlorenen Handschuh von Ilya Kabakov, 1998. Foto © Welz

Am St.-Alban-Rheinweg stoße ich nicht nur auf das Denkmal für einen verlorenen Handschuh von Ilya Kabakov, sondern auch auf die Hinweistafel vom Basler Kneippverein, die zum Kneipp-Gesundheitsparcours einlädt. Im Brunnen beim Museum für Gegenwartskunst könnte ich ein kaltes Armbad machen, am Rheinufer könnte ich Wassertreten. Leider habe ich keine Zeit für diese attraktiven Angebote zur Gesundheitsvorsorge, meine nächste Verabredung habe ich im Museum Tinguely. Mit der Rheinfähre „Wilde Maa“, die vom Strömungsdruck angetrieben wird, überquere ich den Rhein.

Blick von der Rheinfähre auf den Roche-Tower. Geplante Fertigstellung 2015. Mit 41 Etagen und 178 m Höhe wird der Roche-Tower das höchste Hochhaus der Schweiz sein. Foto © Welz

Blick von der Rheinfähre auf den Roche-Tower. Geplante Fertigstellung 2015. Mit 41 Etagen und 178 m Höhe wird der Roche-Tower das höchste Hochhaus der Schweiz sein. Foto © Welz

Das Museum Tinguely im Solitude-Park wurde vom Tessiner Architekten Mario Botta entworfen und 1996 eröffnet. Niki de Saint-Phalle, die Witwe des Künstlers hatte die Sammlung des Museums mit einer großzügigen Gründungsschenkung unterstützt. Getragen wird das Museum von der F.Hoffmann-La Roche AG als Kulturengagement von Roche.
Schon oft habe ich mir den Film von Peter Schamoni Niki de Saint Phalle: Wer ist das Monster – Du oder ich? angeschaut. Jean Tinguely spielt eine Hauptrolle in diesem Film neben Niki de Saint-Phalle. Ich liebe die Szene, in der er sich vorstellt: „Ich bin Jean Tinguely, ich baue Maschinen, die zu nichts nütze sind.“ 
In der Sammlung des Museums sind Arbeiten aller Phasen und Werkgruppen von Jean Tinguely vertreten.

Museum Tinguely Südseite. Blick auf die "Promenade" des Museums am Rheinufer. Foto © Welz

Museum Tinguely Südseite. Blick auf die „Promenade“ des Museums am Rheinufer. Foto © Welz

Museum Tinguely
Paul Sacher-Anlage 2
CH-4002 Basel
Öffnungszeiten: Di bis So 11 – 18 Uhr Mo geschlossen

Bis zum 28. September 2014 wird im Museum Tinguely die Sonderausstellung Krištof Kintera. I AM NOT YOU gezeigt.
Am Stadtrand von Basel liegt Riehen, am Dorfrand von Riehen liegt das ehemalige Villa Berower Gut, auf dem das Museum in dem englischen Landschaftsgarten aus dem 19. Jahrhundert für die Fondation Beyeler vom Stararchitekten Renzo Piano errichtet wurde. Mit der Tram Nr. 6 kommt man leicht dorthin. Kaum ein Museum verbindet in einer solch harmonischen Weise Kunst mit Architektur mit Natur. Das Galeristenehepaar Hildy und Ernst Beyeler hat während 50-jähriger Galerietätigkeit immer selbst Kunst gesammelt. Seit 1997 wird die Sammlung 365 Tage im Jahr in der Fondation Beyeler gezeigt, doch immer wieder neu präsentiert.

Der Hase von Thomas Schütte, 2013 im Gartenteich der Fondation Beyeler. Foto © Welz

Der Hase von Thomas Schütte, 2013 im Gartenteich der Fondation Beyeler. Foto © Welz


FONDATION BEYELER

Baselstrasse 101
CH-4125 Riehen / Basel
Öffnungszeiten: Täglich 10 – 18 Uhr, mittwochs 10 – 20 Uhr. Das Museum ist an allen Sonn- und Feiertagen geöffnet.

Die Sonderausstellung GERHARD RICHTER ist bis zum 7. September 2014 geöffnet.
Vom 11. August bis 26. September 2014 ist jedoch die Sammlung Beyeler wegen Ausstellungsumbau nicht zugänglich.
Ab 7. September 2014 bis 18. Januar 2015 wird die neue Sonderausstellung: Gustave Courbet gezeigt.

Vitra-Haus (2010) von Herzog & de Meuron in Weil am Rhein - Foto © Welz

Vitra-Haus (2010) von Herzog & de Meuron in Weil am Rhein – Foto © Welz

Auch das Vitra Design Museum in Weil am Rhein auf der deutschen Seite gehört zu den vier Art & Design Museums Basel. Es erforscht und vermittelt die Geschichte und Gegenwart des Designs und setzt diese in Beziehung zu Architektur, Kunst und Alltagskultur. 1989 wurde es eröffnet, es zählt zu den führenden Design-Museen weltweit.

Vitra Design Museum
Charles-Eames-Str. 2
D-79576 Weil am Rhein
Öffnungszeiten: Täglich 10 – 18 Uhr. Das Museum ist an allen Sonn- und Feiertagen geöffnet.

Täglich werden öffentliche Architekturführungen auf dem Vitra-Campus in deutscher und englischer Sprache angeboten. Man sieht das Feuerwehrhaus von Zaha Hadid (1993), den Konferenzpavillon von Tadao Ando (1993), eine geodätische Kuppel nach Richard Buckminster Fuller (1975/2000) sowie Produktionshallen von Nicholas Grimshaw (1981/1986), Frank Gehry (1989), Álvaro Siza (1994) und SANAA (2012). Das von Herzog & de Meuron entworfene VitraHaus (2010) kann während der Führung von außen und individuell von innen besichtigt werden.
Leider habe ich es bei meinem Basel-Besuch nicht mehr in das Vitra Design Museum geschafft.

Aber ich werde wiederkommen in die Kulturhauptstadt am Rheinknie. Basel Tourismus macht mit der neuen Jugendherberge im St. Alban Quartier ein attraktives Jugi_Spezialangebot_2014 inkl. Museumspass und Mobility-Ticket für die öffentlichen Verkehrsmittel! Es gibt noch so viel zu sehen und die kommenden Sonderausstellungen sind sehr reizvoll … Unbedingt möchte ich auch einmal im Rhein schwimmen.

Das offizielle Basler Rheinschwimmen findet in diesem Jahr am Dienstag, 26.08.2014 ab 18 Uhr statt. Wenn das Wetter gut ist, werden sich sicher wieder mehrere Tausend Rheinschwimmer in die Fluten stürzen und sich den Rhein hinuntertreiben lassen …
Übrigens im Museumsshop vom Museum Tinguely kann man sich einen vom Künstler Krištof Kintera gestalteten Schwimmfisch kaufen! Da kann man seine Kleider wasserdicht einwickeln und den Schwimmfisch gleich als Schwimmhilfe benutzen. Super!

Auf alle Fälle komme ich zum Basler Morgestraich am 23.02.2015 wieder nach Basel … Wer mit will, kann sich hier informieren.

Ich bedanke mich bei Nadja Elia-Borer von Art & Design Museums Basel für die Einladung zur Medienreise nach Basel und bei den Museen für ihr Interesse an Blogger Relations und den freundlichen Empfang.

 

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  1. Pinkback: Das war mein Reisejahr 2014 | Kunst und Reisen

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