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Blogberatung: Freiberuflich im Museum

Freiberuflich im Museum?!

Was wären die Museen ohne uns freiberuflichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter?

Wir sind gut ausgebildet, in der Regel haben wir ein abgeschlossenes Hochschulstudium und meist weitere Qualifikationen.
Wir arbeiten für verschiedene Zielgruppen, für Kinder, Schüler, Studenten, Erwachsene, Frauen, Männer, Migranten, Senioren, Menschen mit Handicap, Menschen mit Demenz.
Wir leiten Kunstgespräche, Workshops, machen kreative Angebote und entwickeln neue thematischen Führungen und Ideen für Kunst- und Kulturvermittlung in den Museen.
Wir arbeiten, wenn wir gebraucht werden. Wir stehen bereit 7 Tage die Woche, 24 Stunden am Tag.
Wir machen bei Bedarf mehrere Führungen hintereinander und überbrücken auch Saure-Gurken-Zeiten, wenn über Wochen kaum ein Auftrag ins Haus kommt.
Wir haben keine Gewerkschaft und bislang habe ich noch keinen Streik erlebt.
Wenn wir mal nachfragen, ob die Honorare erhöht werden könnten, gibt es oft die Antwort, man könne zukünftig auch mit Studenten arbeiten. Sie arbeiten noch für weniger Geld.
Wir müssen inzwischen oft die Ausstellungskataloge selbst kaufen.
Denn viele Museen stellen die Arbeitsmaterialien nicht mehr zur Verfügung, damit sie nicht in den Verdacht kommen, wir freiberuflichen Mitarbeiter seien nur scheinselbstständig.
Strenggenommen, so wird gelegentlich argumentiert, dürfe man auch nicht mehr zu einer Weihnachtsfeier oder einem sonstigen informellen Treffen einladen, weil: wir sind nur freie Mitabeiter!

Die Deutsche Rentenversicherung untersucht zur Zeit die Arbeitsverhältnisse zwischen Museen und freiberuflichen Mitarbeitern.
Das ist die große Sorge von vielen Museen, dass sie womöglich für uns Sozialversicherung zahlen müssten.

Denn versichern müssen wir uns selbstverständlich selbst. Krankenversicherung. Pflegeversicherung. Rentenversicherung.
Wer von uns hat schon ein soziales Netz?
Wer hat eine Arbeitslosenversicherung?
Kein Einkommen im Krankheitsfall. Kein Urlaubsgeld. Natürlich kein Urlaubsanspruch. Honorar nur für jeden durchgeführten Einsatz.

Das ist leider die Realität für viele freiberuflichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Trotzdem machen wir diesen Job.

 

Freiberuflich im Museum? Hello, today you have day off (2013) Banner von Jeremy Deller gesehen bei der Biennale Venezia 2015 - Foto © Welz
Freiberuflich im Museum? Hello, today you have day off (2013) Banner von Jeremy Deller gesehen bei der Biennale Venezia 2015 – Foto © Welz

 

Man kann nur freiberuflich im Museum arbeiten, wenn man das mit Leidenschaft tut,
wegen dem Geld kann man das auf keinen Fall tun.

Da gibt es garantiert andere Möglichkeiten, sein Einkommen zu sichern mit weniger Risiko und größerer Sicherheit.

Seit 20 Jahren arbeite ich leidenschaftlich gerne freiberuflich nach einem abgeschlossenen Studium der Kunstgeschichte und Literaturwissenschaften und mit einer pädagogischen Ausbildung.
Lange habe ich freiberuflich für den museumspädagogischen Dienst der Stadt Stuttgart gearbeitet, Themen und Führungen entwickelt für Kinder und Jugendliche.
Ich arbeite für Museen in Stuttgart und anderswo und habe inzwischen viele eigene Besuchergruppen, denen ich Angebote für Führungen und Kunstausflüge mache.

Inzwischen habe ich ein Jahreseinkommen, das glücklicherweise über 17 500 € liegt (sonst könnte ich gar nicht von meiner freiberuflichen Tätigkeit leben).
Nun kommt aber das Finanzamt und erklärt, dass ich kein Kleinunternehmer mehr und damit umsatzsteuerpflichtig bin.
Da ich mit meiner Steuererklärung immer hinterher bin, muss ich für mehrere Jahre die errechnete Umsatzsteuer ans Finanzamt nachzahlen.

Das große Dilemma:
Museen, Kulturvereine, Volkshochschulen, Erwachsenenbildungsstätten sind in der Regel von der Umsatzsteuerpflicht befreit,
d.h. sie sind nicht bereit, die Umsatzsteuer zusätzlich zum vereinbarten Honorar für die Führung zu bezahlen.
Von der Führungsgebühr, die der Kunde für eine Gruppenführung im Museum bezahlt, gehen ungefähr 25 Prozent als Provision für die Auftragsvermittlung an den Besucherdienst des Museums.
Vom Führungshonorar muss ich nun noch 19 % Umsatzsteuer ans Finanzamt abführen.

Wie kann ich noch von freiberuflicher Tätigkeit im Museum leben?

Deshalb meine Fragen an meine lieben Kolleginnen und Kollegen:
Wie organisiert ihr eure freiberufliche Tätigkeit?
Seid ihr auch umsatzsteuerpflichtig? Wie geht ihr mit diesem Problem für uns freien Kulturwissenschaftler um?
Gibt es andere Geschäftsmodelle?
Macht es Sinn eine Kooperative zu gründen?
Wer kennt einen guten Steuerberater, der Erfahrung hat im Kulturbereich?
Welches soziale Netz habt ihr für euch gespannt? (Gibt es noch eine andere Möglichkeit als eine Ehe?)
Wie können wir freien Mitarbeiter uns besser organisieren, unsere Interessen gemeinsam vertreten?
Welche Erfahrungen, Vorbilder gibt es da in anderen Städten?
Wie können wir freien Mitarbeiter uns besser einbringen in den Bundesverband Museumspädagogik e.V. ?

Ich würde mich über eine Blogberatung freuen. Ich benutze bewußt nicht den Begriff „Blogparade“.
Sondern ich wünsche mir eine kollegiale Beratung, Beiträge, eine Diskussion unter freien Mitarbeitern, die ich hiermit eröffnen möchte.

KUNST IST SCHÖN, MACHT ABER VIEL ARBEIT.
Karl Valentin

Schreibt mir doch hier in die Kommentare.
Oder schreibt einen eigenen Beitrag in eurem Blog, den ihr mit meinem Beitrag unter dem Stichwort „Blogberatung“ verlinkt.
Wer keinen eigenen Blog hat, kann mir gerne einen Gastbeitrag schreiben, den ich hier in meinen Blog einstellen kann.

Ich freue mich über eine angeregte Diskussion über freiberufliche Mitarbeit im Museum.

Andrea

 

 

 

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