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16 Tage THE FLOATING PIERS

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Nur 16 Tage – und dann ist Schluss!
Die zeitliche Begrenztheit, das gehört zum Konzept der Projekte von Christo und Jeanne-Claude. So auch bei dem aktuellen Projekt, das Christo im Sommer 2016 am IseoSee in Oberitalien realisierte: THE FLOATING PIERS.

Vom 18. Juni bis zum 3. Juli 2016 konnte man 16 Tage lang von Sulzano aus den Inselberg Monte Isola über THE FLOATING PIERS zu Fuß erreichen. Von dem kleinen Inselort Peschiera Maràglio ein paar hundert Meter über dahliengelben Stoff am Ufer entlang spazieren, dann in spitzem Winkel über das Wasser schreiten Richtung Isola di San Paolo. Die Eigentümer der kleinen privaten Insel, die Familie Beretta, die bis heute das älteste Rüstungsunternehmen der Welt besitzt und zu den größten Waffenproduzenten Italiens zählt, hatten ihr Einverständnis gegeben, dass Christo mit seinen schwimmenden Stegen das Inselchen umkreisen durfte. Von San Paolo führten die Stege wieder zurück zur Monte Isola und zum Örtchen Senzole. Insgesamt über 5 km Spazierweg, davon ungefähr 3 km über den Lago d’Iseo.

THE FLOATING PIERS: langsame Annäherung mit dem Schiff an Peschiera/ Monte Isola. Foto © Welz

THE FLOATING PIERS: langsame Annäherung mit dem Schiff an Peschiera/ Monte Isola. Foto © Welz

THE FLOATING PIERS:
das war Christos erstes Großprojekt nach der Realisierung von THE GATES in New York im Winter 2005 und nach dem überraschenden Tod von Jeanne-Claude 2009. Für THE GATES im Central Park mussten Christo und Jeanne-Claude 25 lange Jahre Überzeugungsarbeit leisten, in Italien konnten in kürzester Zeit die verantwortlichen Bürgermeister und Gemeinden um den IseoSee für das Projekt gewonnen werden.
Die Idee wurde geboren auf einer Autofahrt von Basel nach Stuttgart im Frühjahr 2014, so wird es im Katalog erzählt: Christo and Jeanne-Claude. The Floating Piers Christo wurde in Stuttgart mit dem Theodor-Heuss-Preis von der Theodor-Heuss-Stiftung ausgezeichnet, das Jahresthema 2014: Kunst bricht auf.
Der Künstler wünschte sich damals ein Projekt, das schnell zu realisieren sei. Kein Wunder, wenn man den 80. Geburtstag vor Augen hat! In Oberitalien am IseoSee fand Christo und sein Team den Ort und offene Menschen für sein Projekt: THE FLOATING PIERS.

THE FLOATING PIERS 18.06. bis 3.07.2016 IseoSee Foto © Welz

THE FLOATING PIERS – 18.06. bis 3.07.2016 IseoSee – Foto © Welz

Eine künstlerische und organisatorische Meisterleistung!
Knapp zwei Jahre Zeit hatte der Künstler für die Realisierung seiner Idee: THE FLOATING PIERS.
220 000 Hohlraumwürfel aus Polyethylen wurden in Norditalien produziert und für die schwimmenden Stege an den IseoSee transportiert. 200 Anker, jeder 5,5 Tonnen schwer, hielten die 16 m breiten Stege sicher im Wasser. Dazu waren ca. 37 000 m Kunststoffseile notwendig. Eine erfahrene Tauchercrew musste die Anker im See versenken. Ca. 70 000 mKunststoff-Filz machten das Gehen auf den Piers angenehm. 100 000 mgarngefärbtes dahliengelbes Polyamid-Gewebe wurde in Greven in Nordrhein-Westfalen hergestellt, auf Spezialwebstühlen 5,40 m breit. Zusammengenäht wurden die Stoffe in Lübeck von 150 Mitarbeitern im Schichtbetrieb in fünf Tagen mit Nähmaschinen, die aus Möglingen in Baden-Württemberg stammten. Hunderte von Menschen waren schon an den Vorarbeiten beteiligt!

THE FLOATING PIERS: über das Wasser gehen! Foto © Welz

THE FLOATING PIERS: über das Wasser gehen von Sulzano nach Peschiera und zurück! Foto © Welz

Christo machte es möglich! Man konnte über das Wasser gehen!

„People come from everywhere to walk to nowhere. Not to shop, not to meet friends – they just walk, to nowhere.“
Christo, 2016

Vor der Eröffnung der FLOATING PIERS wurden 500 000 Besucher erwartet. Vermutlich waren es aber knapp 1,3 Millionen Menschen, die sich auf den Weg machten, um diesen Spaziergang zu unternehmen und das Kunstprojekt zu erleben. Wie Ihr seht, ich war auch dabei!

THE FLOATING PIERS: Foto © Welz

THE FLOATING PIERS: von Peschiera aus auf die schwimmenden Stege! Foto © Welz

Christo schlug vor, barfuss auf die Piers zu gehen, um das Material, die Bewegung der Kunststoffkuben durch die Wellen besser zu spüren.

„The beautiful thing is that you will be walking in a pedestrian street and then, all of a sudden you are walking on water. It’s a very sensual project, very sexy. This project is so much about touch.“
Christo, 2016

THE FLOATING PIERS: dahliengelbe Stege auf dem Iseosee - Foto © Welz

THE FLOATING PIERS: dahliengelbe Stege auf dem Iseosee – Foto © Welz

Da hatte er recht:
Es war wunderbar, auf dem Wasser zu gehen, die Bewegung der Wellen zu spüren, Teil der Bewegung des Wassers zu werden und Teil der fröhlichen Menschenmenge, absichtslos das visuelle und sinnliche Erlebnis genießend. Danke Christo!
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THE FLOATING PIERS dahliengelb und sexy - Foto © Welz

THE FLOATING PIERS dahliengelb und sexy – Foto © Welz

Eine gute Idee war es auch, eine Höhenwanderung zu unternehmen, um den Blick von oben auf den IseoSee zu werfen. Vom Dorf Peschiera führen Wege nach oben auf die Straße nach Senzano, von dort spazierte man Richtung Menzino und wieder zurück nach Sensole mit wunderbarer Aussicht auf den See und die FLOATING PIERS.

THE FLOATING PIERS: Blick von Senzano auf den Iseosee - Foto © Welz

THE FLOATING PIERS: Blick von Senzano auf den Iseosee – Foto © Welz

Gegen Abend war das Licht besonders schön. Christo hatte vor, die Stege 16 Tage lang rund um die Uhr offen zu halten. Doch Wetterbedingungen, Wartungsarbeiten erforderten die gelegentliche Schließung von bestimmten Strecken des Parcours. Ich hatte Glück und konnte am Abend noch einmal von Sensole aus auf dem Wasser laufen. So konnte ich beobachten, wie für die Nacht alle paar Meter Lampen aufgestellt wurden, um die Beleuchtung und Sicherheit auch in der Dunkelheit zu gewährleisten.

THE FLOATING PIERS Abendstimmung - Foto © Welz

THE FLOATING PIERS Abendstimmung – Foto © Welz

THE FLOATING PIERS Sonnenuntergang am IseoSee - Foto © Welz

THE FLOATING PIERS Sonnenuntergang am IseoSee – Foto © Welz

16 Tage THE FLOATING PIERS am IseoSee!

In der Vergangenheit hatten Christo und Jeanne-Claude häufig mit großen Vorbehalten gegen ihre Projektideen zu kämpfen. Unermüdlich engagierten sie sich für deren Realisierung. Für die Verhüllung des Reichstagsgebäudes in Berlin hatten sie 24 Jahre lang geworben und gearbeitet. Im Sommer 1995 hatten sie es endlich geschafft: in zwei Wochen kamen 5 Millionen Besucher, um den verhüllten Reichstag in Berlin zu bestaunen. Anfängliche Skepsis war großer Begeisterung gewichen. Trotz mancher Bitten, das Projekt zu verlängern, wurde das Gebäude nach der geplanten Projektdauer ganz konsequent wieder enthüllt und alles Material recycelt.

So wird es jetzt auch wieder sein!

Christo sagte damals in Berlin:
„All unsere Werke besitzen eine sehr ausgeprägte nomadische Qualität; … Niemand kann diese Projekte kaufen, niemand sie besitzen, niemand kommerzialisieren, niemand kann Eintritt für ihre Besichtigung verlangen – nicht einmal uns gehören diese Werke. Unser Werk handelt von der Freiheit, und Freiheit ist der Feind allen Besitzanspruchs, und Besitz ist gleichbedeutend mit Dauer. Darum kann das Werk nicht dauern.“

Uns bleiben unsere Fotos, uns bleibt die Erinnerung!
Wer Glück hatte, konnte auch ein kleines Stückchen dahliengelben Stoff ergattern, der auf den FLOATING PIERS verschenkt wurde! Die Farbe „dahliengelb“ wird mich immer an dieses Erlebnis des Sommers 2016 erinnern!

THE FLOATING PIERS: unvergesslich dahliengelb! Foto © Welz

THE FLOATING PIERS: unvergesslich dahliengelb! Foto © Welz

Christo hat für dieses Projekt THE FLOATING PIERS Zeichnungen und Modelle angefertigt, durch den Verkauf dieser Originale will er die enormen Kosten für das Projekt finanzieren.
Zunächst werden Fotos, Zeichnungen, Modelle seiner Wasserprojekte noch bis zum 18. September 2016 im Museo di Santa Giulia in Brescia gezeigt. Unbedingt empfehlenswert!

Christo and Jeanne-Claude
Water Projects
Museo di Santa Giulia Brescia
www.mostrachristo.bresciamusei.com

Buchtipps und Videos:

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Bald kehrt wieder Ruhe ein am IseoSee …

 

Nach THE FLOATING PIERS in Ruhe angeln ... Foto © Welz

Nach THE FLOATING PIERS in Ruhe angeln … Foto © Welz

Das war eine Kunstreise der KunstSchiene. Neue Termine für Kunstreisen 2017 finden Sie demnächst hier: KunstSchiene SSB Reisen

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  1. Elke Krauß

    Liebe Andrea, ein wunderbarer Bericht! Man konnte sich vorstellen, selbst über Wasser zu gehen. – Kannst du ihn nicht an die Zeitung geben? Lieber Gruß Elke

    • Liebe Elke,
      danke für dein Interesse an meiner Geschichte und dein Lob! Ich freue mich sehr über Rückmeldung zu meinen Blogbeiträgen! Dir hätte Christos Projekt garantiert auch gut gefallen.
      Herzliche Grüsse,
      Andrea

  2. Susanne Tobisch

    Super Fotos und ansprechende Erläuterungen und Ergänzungen!
    Ich war letzten Montag(27. Juni)mit dem Boot von Sarnico vor Ort und war seeeehr angetan.

    • Liebe Susanne,
      da haben wir uns ja gerade verpasst! Das wäre ja ein witziger Zufall gewesen. Die Anreise mit dem Boot war wirklich die beste Möglichkeit, um auf die Insel und auf die Piers zu kommen. Ein grandioses Erlebnis! Auch so viele fröhliche Menschen.
      Herzliche Grüsse,
      Andrea

  3. Gisela Hitzfeld

    Liebe Frau Welz,
    …als wäre man dabei gewesen!!!! Vielen Dank für die beeindruckenden Fotos und die Erklärungen zu dem wunderbar in die Natur eingefügten Christo-Projekt.
    Gerne hätte ich es mit eigenen Augen gesehen und erspürt. Das war leider nicht möglich. Ihr wunderbarer Beitrag hat mich entschädigt. Die Fotos, besonders die von oben, sind so wunderschön, dass ich sie mir immer wieder ansehen muss. Vielen lieben Dank auch für Ihre anderen immer sehr informativen und beeindruckenden Kunsterlebnisse, die Sie freundlicherweise mit anderen teilen.
    Mit einem lieben Gruß aus Waldenbuch Gisela Hitzfeld

    • Liebe Frau Hitzfeld,
      Sie gehören zu den treuen Leserinnen meines Blogs! Ich freue mich sehr darüber und bedanke mich für Ihr Interesse. Auf meinen Reisen erlebe ich so viel, dass ich Freude daran habe, meine Eindrücke mit anderen zu teilen! Vielleicht können wir auch mal wieder zusammen auf Reisen gehen!
      Herzliche Grüsse ins schöne Waldenbuch, Andrea Welz

  4. Hallo, sehr treffender Artikel zu DEM Event 2016 hier am Lago Di Iseo. Es war für uns, die hier am Lago leben, eine Ehre, dass Christo sich für unseren See zur Umsetzung der Floating Piers entschieden hat. Wir waren insgesamt 5-mal auf den Floating Piers und jedesmal auf’s Neue extrem beeindruckt. Und es hat uns gefreut, das sich soviele Menschen auch vom gesamten Umfeld positiv beeindrucken ließen. Fristen wir am Lago di Iseo doch bis dato eher ein Schatten-Dasein im Vergleich zum nahegelegenen Lago die Garda. Die Floating Piers waren ein Meisterstück 🙂

    Ach so: Die schnelle Umsetzung des Projektes ist insbesondere auch der Familie Beretta zu verdanken, denn Dank Ihnen ging so manche „lokale“ Tür für Christo deutlich schneller auf 😉 Insofern haben Sie nicht nur erlaubt, die Insel zu nutzen, sondern auch erheblich zum Projekt an sich beigetragen. Gruss vom Lago di Iseo Markus

    • Buona sera Markus,
      vielen Dank für deinen Gruss vom Iseo-See. Mir hat es dort wirklich gut gefallen. Gerne möchte ich dort mal Ferien machen ohne den Trubel der „Floating Piers“. Natürlich war das ein großes, unvergessliches Erlebnis.
      Viele Grüsse aus Stuttgart, Andrea

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