Reiseblog

MAROKKO Zeit für die Wüste

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Haben wir genug Zeit?

Zeit für die Wüste.

Wieviel Zeit braucht man für die Wüste?
Wohin soll man gehen?
Alles hinter sich lassen, vor sich nur die Sanddünen.
Was kommt hinter der nächsten Düne?
Wo kann ich den Sonnenuntergang am besten sehen?

Das Gehen fällt schwer. Ich sinke ein in den Sand.
Meine Schritte hinterlassen Spuren im Sand.

Wie lange?

Ich habe mir meinen Begleiter nicht gewünscht, er hat mich ausgewählt.
Irgendwann gebe ich meinen inneren Widerstand auf und reiche ihm die Hand.
Er hilft mir, die Sanddüne zu erklimmen.

Stille.

Where do you come from?
I prefer to be silent.

Ok. Er kennt das schon. Er bleibt ruhig an meiner Seite.
So kann ich Fragen stellen. Woher kommt ihr alle?
Sie wohnen am Rand der Dünen in der Wüste, wenig Arbeit.
Sie arbeiten als Begleiter für die Touristen, die für kurze Zeit den Ausflug in die Wüste machen.

Er schreibt meinen Namen auf arabisch in den Sand.
Wie lange wird mein Name zu lesen sein? Was bin ich gegen die Zeitlosigkeit der Wüste?
Ich denke kurz an John Keats. Auf seinem Grabstein auf dem Cimitero Acattolico in Rom steht: Here lies one whose name was writ in water. Nun steht mein Name im Sand der Sahara.

Plötzlich geht es sehr schnell. Die Sonne geht unter. Das Licht verändert sich. Mein Begleiter mahnt mich, dass wir zurückmüssten, zurück zu den anderen, zurück zu den Geländewagen.
Ich drehe mich um und habe keine Orientierung. Ich weiß nicht, zu welcher Kasbah, zu welchen Häusern ich hin sollte.
Mein Begleiter führt mich zurück. Gut, dass er dabei ist.

Kurz vor dem Treffpunkt packt er seinen Rucksack aus, er möchte mir Kunsthandwerk aus Fossilien verkaufen, zu einem sehr hohen Preis. Ich möchte nichts und brauche nichts. Ich gebe ihm ein Trinkgeld. Er ist schnell verschwunden. Jetzt sehe ich die Mopeds. Die selbsternannten Fremdenführer müssen zurück zu ihren Familien nach Merzouga, bevor es ganz Nacht wird. Nacht in der Wüste.

Wir warten noch auf die Kamele. Langsam kommen sie zurück. Nun ist es dunkel.
Wir verlassen die Wüste, fahren auf der Off-Road-Piste bis wir wieder die Straße nach Erfoud erreichen.
Wir hatten etwas Zeit für die Wüste.

 

„wer sich auf das wagnis in die wüste zu gehen einläßt,
entdeckt nicht nur ein stück uns fremd gewordener natur,
sondern erfährt auch ein stück seiner selbst,
stößt zu den quellen der eigenen existenz vor.“

***

„die wüste ist eine denklandschaft.
man geht nicht nur zwischen den dünen,
man geht auch in seinem eigenen denken umher,
man macht gedankengänge,
im gehen verändert sich die landschaft von bild zu bild,

es verändert sich der gedankenhorizont.
das auge zieht es mal hier, mal dort hin, auch die gedanken wildern umher.
man wirft sie hinaus, als entwürfe.“

otl aicher, gehen in der wüste, frankfurt am main 1982/ Neuausgabe 2005

 

Marokko: Erg Chebbi - Wir treffen die Kamelführer - Foto © Welz

Marokko: Erg Chebbi – Wir treffen die Kamelführer – Foto © Welz

Erg Chebbi: Spaziergang durch die Dünenlandschaft. Foto © Welz

Erg Chebbi: Spaziergang durch die Dünenlandschaft der Sahara. Foto © Welz

Marokko: Erg Chebbi - Mit Begleitern durch die Sanddünen - Foto © Welz

Marokko: Erg Chebbi – Mit Begleitern durch die Sanddünen der Wüste. Foto © Welz

Marokko: Erg Chebbi. Die Schatten werden immer länger. Foto © Welz

Marokko: Erg Chebbi - Wo kommen wir her? Wo wollen wir hin? Foto © Welz

Marokko: Erg Chebbi – Wo kommen wir her? Wo wollen wir hin? Gehen in der Wüste. Foto © Welz

Marokko: Erg Chebbi - Spuren im Sand. Foto © Welz

Marokko: Erg Chebbi – Spuren im Sand der Sahara. Foto © Welz

Erg Chebbi: Ein Wüstenbewohner, mein Begleiter, schreibt meinen Namen in den Sand. Foto © Welz

Erg Chebbi: Mein Begleiter schreibt meinen Namen in den Sand der Sahara. Foto © Welz

Marokko: Erg Chebbi - bald geht die Sonne unter. Foto © Welz

Marokko: Erg Chebbi – bald geht die Sonne unter. Foto © Welz

Marokko: Erg Chebbi. Die Farben der Wüste ändern sich ... Foto © Welz

Marokko: Erg Chebbi. Die Farben der Wüste ändern sich mit dem Licht. Foto © Welz

Marokko: Erg Chebbi kurz vor dem Sonnenuntergang. Foto © Welz

Marokko: Erg Chebbi kurz vor dem Sonnenuntergang. Foto © Welz

Marokko: Erg Chebbi Sonnenuntergang. Foto © Welz

Marokko: Erg Chebbi Sonnenuntergang. Foto © Welz

Marokko: Erg Chebbi. Nach Sonnenuntergang kehren wir zurück zu den Geländewagen. Foto © Welz

Marokko: Erg Chebbi. Nach Sonnenuntergang kehren wir zurück zu den Geländewagen. Foto © Welz

Marokko: Erg Chebbi. Die Sonne ist untergegangen. Foto © Welz

Marokko: Erg Chebbi. Die Sonne ist untergegangen. Foto © Welz

Marokko: Erg Chebbi. Die Kamele kommen zurück. Foto © Welz

Marokko: Erg Chebbi. Die Kamele kommen zurück. Foto © Welz

 

Es gibt zwei sog. Dünenmeere in Marokko, Erg Chegaga und Erg Chebbi. Es sind große, vom Wind geformte Dünenlandschaften aus Sand. Manche Sanddünen sind bis zu 150 m hoch. Der Erg Chebbi ist mit Geländewagen auf einer off-road-Strecke von Erfoud aus zu erreichen. Wir waren für ca. 44 km eine gute halbe Stunde unterwegs.

Besonders eindrucksvoll ist das Wüstenerlebnis bei Sonnenaufgang oder bei Sonnenuntergang. Das Licht verändert die Farbe der Dünen. Licht und Schatten schaffen unvergessliche Wüstenbilder.

Merzouga ist ein kleiner Touristenort in einer Oase am Rande der großen Düne Erg Chebbi. Es besteht die Möglichkeit im Wüstenhotel oder im Nomadenzelt zu übernachten.

Mehr über unsere Marokko-Reise findest du im MAROKKO Reisetagebuch.

Buchtipps:

 

 

 

 

 

 

 

  1. Danke liebe Andrea für diese Gedanken und Worte. Ich fühle mich sofort wieder dorthin zurück versetzt.
    Ein wunderbarer Erlebnis.

  2. Liebe Andrea, danke für deine superschönen Bilder mit dem einfühlsamen Kommentar !!!
    Die Stimmung fängt mich so richtig ein. Ich habe mir schon das „Vorlesebuch“ gekauft.
    Liebe Grüße Hanne

    • Danke Hanne. Du hast mich wieder mal ermutigt, über unsere Reise zu bloggen! Du hast 2014 auch die Armenien-Geschichten rausgekitzelt! Danke.
      Liebe Grüsse, Andrea

  3. Ilse Stohrer

    Liebe Andrea,
    was für wunderbare Worte u. Bilder.
    Ich spüre wieder den Wind, die Sonne
    u. die Stille. Es war ein großartiges
    Erlebnis, danke Dir.

    • Liebe Ilse,
      Ich freue mich über deine Begeisterung. Schön, dass du dabei warst. Ich bin gespannt, auf unser nächstes Reiseziel!
      Liebe Grüsse, Andrea

  4. ingrid Heink

    Liebe Andrea,

    mit großem Interesse nehmen wir Deinen Reisebericht, die herrlichen Bilder und die wunderschönen Begleittexte in uns auf. So erleben wir zwangsweise Zurückgebliebenen die Reise doch, eben auf eine etwas andere Weise.

    Herzliche Grüße
    Ingrid

    • Liebe Ingrid,
      Du wolltest so gerne Kamelreiten! Du kannst noch davon träumen! Ich freue mich, wenn Euch meine Reiseberichte und Bilder gefallen. Ich bin gespannt auf die Bilder und Geschichten der anderen Reiseteilnehmer! Wir werden am Nachtreffen uns austauschen!
      Herzliche Grüsse, Andrea

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