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Blogberatung: Freiberuflich im Museum

Freiberuflich im Museum? Hello, today you have day off (2013) Banner von Jeremy Deller gesehen bei der Biennale Venezia 2015 -  Foto © Welz

Freiberuflich im Museum?!

Was wären die Museen ohne uns freiberuflichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter?

Wir sind gut ausgebildet, in der Regel haben wir ein abgeschlossenes Hochschulstudium und meist weitere Qualifikationen.
Wir arbeiten für verschiedene Zielgruppen, für Kinder, Schüler, Studenten, Erwachsene, Frauen, Männer, Migranten, Senioren, Menschen mit Handicap, Menschen mit Demenz.
Wir leiten Kunstgespräche, Workshops, machen kreative Angebote und entwickeln neue thematischen Führungen und Ideen für Kunst- und Kulturvermittlung in den Museen.
Wir arbeiten, wenn wir gebraucht werden. Wir stehen bereit 7 Tage die Woche, 24 Stunden am Tag.
Wir machen bei Bedarf mehrere Führungen hintereinander und überbrücken auch Saure-Gurken-Zeiten, wenn über Wochen kaum ein Auftrag ins Haus kommt.
Wir haben keine Gewerkschaft und bislang habe ich noch keinen Streik erlebt.
Wenn wir mal nachfragen, ob die Honorare erhöht werden könnten, gibt es oft die Antwort, man könne zukünftig auch mit Studenten arbeiten. Sie arbeiten noch für weniger Geld.
Wir müssen inzwischen oft die Ausstellungskataloge selbst kaufen.
Denn viele Museen stellen die Arbeitsmaterialien nicht mehr zur Verfügung, damit sie nicht in den Verdacht kommen, wir freiberuflichen Mitarbeiter seien nur scheinselbstständig.
Strenggenommen, so wird gelegentlich argumentiert, dürfe man auch nicht mehr zu einer Weihnachtsfeier oder einem sonstigen informellen Treffen einladen, weil: wir sind nur freie Mitabeiter!

Die Deutsche Rentenversicherung untersucht zur Zeit die Arbeitsverhältnisse zwischen Museen und freiberuflichen Mitarbeitern.
Das ist die große Sorge von vielen Museen, dass sie womöglich für uns Sozialversicherung zahlen müssten.

Denn versichern müssen wir uns selbstverständlich selbst. Krankenversicherung. Pflegeversicherung. Rentenversicherung.
Wer von uns hat schon ein soziales Netz?
Wer hat eine Arbeitslosenversicherung?
Kein Einkommen im Krankheitsfall. Kein Urlaubsgeld. Natürlich kein Urlaubsanspruch. Honorar nur für jeden durchgeführten Einsatz.

Das ist leider die Realität für viele freiberuflichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Trotzdem machen wir diesen Job.

 

Freiberuflich im Museum? Hello, today you have day off (2013) Banner von Jeremy Deller gesehen bei der Biennale Venezia 2015 - Foto © Welz

Freiberuflich im Museum? Hello, today you have day off (2013) Banner von Jeremy Deller gesehen bei der Biennale Venezia 2015 – Foto © Welz

 

Man kann nur freiberuflich im Museum arbeiten, wenn man das mit Leidenschaft tut,
wegen dem Geld kann man das auf keinen Fall tun.

Da gibt es garantiert andere Möglichkeiten, sein Einkommen zu sichern mit weniger Risiko und größerer Sicherheit.

Seit 20 Jahren arbeite ich leidenschaftlich gerne freiberuflich nach einem abgeschlossenen Studium der Kunstgeschichte und Literaturwissenschaften und mit einer pädagogischen Ausbildung.
Lange habe ich freiberuflich für den museumspädagogischen Dienst der Stadt Stuttgart gearbeitet, Themen und Führungen entwickelt für Kinder und Jugendliche.
Ich arbeite für Museen in Stuttgart und anderswo und habe inzwischen viele eigene Besuchergruppen, denen ich Angebote für Führungen und Kunstausflüge mache.

Inzwischen habe ich ein Jahreseinkommen, das glücklicherweise über 17 500 € liegt (sonst könnte ich gar nicht von meiner freiberuflichen Tätigkeit leben).
Nun kommt aber das Finanzamt und erklärt, dass ich kein Kleinunternehmer mehr und damit umsatzsteuerpflichtig bin.
Da ich mit meiner Steuererklärung immer hinterher bin, muss ich für mehrere Jahre die errechnete Umsatzsteuer ans Finanzamt nachzahlen.

Das große Dilemma:
Museen, Kulturvereine, Volkshochschulen, Erwachsenenbildungsstätten sind in der Regel von der Umsatzsteuerpflicht befreit,
d.h. sie sind nicht bereit, die Umsatzsteuer zusätzlich zum vereinbarten Honorar für die Führung zu bezahlen.
Von der Führungsgebühr, die der Kunde für eine Gruppenführung im Museum bezahlt, gehen ungefähr 25 Prozent als Provision für die Auftragsvermittlung an den Besucherdienst des Museums.
Vom Führungshonorar muss ich nun noch 19 % Umsatzsteuer ans Finanzamt abführen.

Wie kann ich noch von freiberuflicher Tätigkeit im Museum leben?

Deshalb meine Fragen an meine lieben Kolleginnen und Kollegen:
Wie organisiert ihr eure freiberufliche Tätigkeit?
Seid ihr auch umsatzsteuerpflichtig? Wie geht ihr mit diesem Problem für uns freien Kulturwissenschaftler um?
Gibt es andere Geschäftsmodelle?
Macht es Sinn eine Kooperative zu gründen?
Wer kennt einen guten Steuerberater, der Erfahrung hat im Kulturbereich?
Welches soziale Netz habt ihr für euch gespannt? (Gibt es noch eine andere Möglichkeit als eine Ehe?)
Wie können wir freien Mitarbeiter uns besser organisieren, unsere Interessen gemeinsam vertreten?
Welche Erfahrungen, Vorbilder gibt es da in anderen Städten?
Wie können wir freien Mitarbeiter uns besser einbringen in den Bundesverband Museumspädagogik e.V. ?

Ich würde mich über eine Blogberatung freuen. Ich benutze bewußt nicht den Begriff „Blogparade“.
Sondern ich wünsche mir eine kollegiale Beratung, Beiträge, eine Diskussion unter freien Mitarbeitern, die ich hiermit eröffnen möchte.

KUNST IST SCHÖN, MACHT ABER VIEL ARBEIT.
Karl Valentin

Schreibt mir doch hier in die Kommentare.
Oder schreibt einen eigenen Beitrag in eurem Blog, den ihr mit meinem Beitrag unter dem Stichwort „Blogberatung“ verlinkt.
Wer keinen eigenen Blog hat, kann mir gerne einen Gastbeitrag schreiben, den ich hier in meinen Blog einstellen kann.

Ich freue mich über eine angeregte Diskussion über freiberufliche Mitarbeit im Museum.

Andrea

 

 

 

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  1. Andreas

    ich finde sie gerade zwar nicht, aber es gibt eine eine E-Mail-Liste der Verdi.freien. Vielleicht möchtest Du dein Anliegen dort mal rumschicken, bin mir sicher es gibt einige in der Liste, die selbes Problem haben.

    • Hallo Andreas,
      du hast recht. Verdi Referat Selbstständige ist ein guter Tipp! Ich hab mir schon vor einiger Zeit die neue Ausgabe des Ratgebers für Selbstständige von Goetz Buchholz bestellt. http://www.mediafon-ratgeber.de
      Gruss Andrea

  2. Liebe Andrea,

    so, jetzt habe ich mal ein bisschen Zeit und will gerne einige deiner Fragen beantworten. Ich hab deine Fragen mal hier reinkopiert.

    Wie organisiert ihr eure freiberufliche Tätigkeit?

    Grundsätzlich kann ich sagen, dass man sicher gut fährt, wenn man nicht nur auf die Karte freiberufliche Mitarbeit in einem Museum setzt. Ich habe relativ schnell Eigeninitiative ergriffen, habe eine eigene Agentur gegründet (die mittlerweile von meiner damaligen Geschäftspartnerin alleine weitergeführt wird), hatte auch mal ein Jahr lang einen E-Book-Verlag-Projekt. Und vervollständige mein Portfolio, indem ich mehr áuf Multiplikatoren-Fortbildung setze, Seminare und Beratung zu Themen rund um die Besucherkommunikation gebe und viel in Sonder-Projekten arbeite. Das sind dann meist geförderte Projekte, wo mit Kulturförder-Anträgen extra Gelder besorgt wurden.

    Welches soziale Netz habt ihr für euch gespannt? (Gibt es noch eine andere Möglichkeit als eine Ehe?)

    Was meinst du damit? Versorgungstechnisch? Also ich habe keine tausend Versicherungen für die Altersvorsorge, wenn du das meinst. Bin zwar verheiratet 🙂 Aber wir sind beide Freiberufler. Wir gehen nicht davon aus, dass mit 65 bzw. 67 Schluss mit Arbeiten ist. Was mich angeht, so überlege ich die ganze Zeit, wie ich mich im Alter anders aufstellen könnte. Denn Führungen machen und Workshops geben frisst ganz schön Ressourcen. Merke, dass das immer anstrengender wird, je älter ich werde. Mal sehen, vielleicht kann man ja das Bloggen irgendwann mal monetarisieren. Das wäre ein Modell, da bin ich aber noch auf einem langen Weg. Und ich suche auch noch.

    Gibt es andere Geschäftsmodelle?

    Ich habe schon diverse GbR gegründet. Was allerdings das steuerliche Problem nicht unbedingt grundlegend verbessert. Aber auch da gilt – alles schön getrennt machen, was die Buchhaltung angeht.

    Macht es Sinn eine Kooperative zu gründen?

    Was meinst du mit Kooperative? So etwas wie eine GbR? Dann siehe oben. Es erleichtert aber nicht unbedingt den ganzen Steuerkram. Was die Entwicklung neuer Arbeitsfelder angeht oder die Frage der Akquise, so kann ich das durchaus empfehlen.

    Wer kennt einen guten Steuerberater, der Erfahrung hat im Kulturbereich?

    Leider hatte ich noch nie einen Steuerberater, der wirklich in diesem speziellen Feld Ahnung hatte. Und wenn man z.B. für Bildungseinrichtungen etc. freiberuflich tätig ist, das ist ein Szenario, in dem sich die wenigsten wirklich auskennen. Die Steuerberater, mit denen ich zu tun hatte (in meinem Arbeitsleben insgesamt 5 bisher) machten „nur“ die Buchhaltung. Und ich habe die Erfahrung gemacht, dass es besser ist, man macht die selber. Da muss man sich nur einmal ein System aneignen und dann Ausgaben und Einnahmen schön nachhalten. Absetzen, was abzusetzen geht. Gut, das gehört zu den Aufgaben, die einem nicht unbedingt die Laune heben. Aber es ist auch ein Vorteil, man hat da ein bisschen den Überblick.

    Wie können wir freien Mitarbeiter uns besser organisieren, unsere Interessen gemeinsam vertreten?

    Das ist eine ganz schwierige Kiste. Ich habe z.B. bei XING eine Gruppe Museumspädagogik (bist du da eigentlich :-)?) mit über 500 Mitgliedern. Und wir Moderatoren versuchen seit Jahr und Tag, da ein bisschen Austausch hinzubekommen. Na ja, XING ist nicht eine tolle Austauschplattform. Aber trotzdem. Bei der Vorstellungsrunde sagen immer alle, sie wollen Austausch, aber dann kommt nichts. Wir haben schon Umfragen gemacht und so. Nix. Ich hatte schon mal überlegt, ob man so eine Gruppe mal auf Facebook gründet. Bin mir aber nicht sicher, ob es nur an der Plattform liegt.

    Wie können wir freien Mitarbeiter uns besser einbringen in den Bundesverband Museumspädagogik e.V. ?

    Ich muss gestehen, dass ich schon lange nicht mehr Mitglied im BV bin. Ich habe mich – nachdem ich freiberuflich tätig wurde – da nicht mehr wirklich vertreten gefühlt. Das mit dem Einbringen – es ist die Frage, ob das tatsächlich auch gewollt wird?!
    Aber auch da wird sicherlich so einiges im Umbruch sein. Falls sich da etwas grundlegend ändert, bin ich gerne bereit, wieder mitzumachen. Vielleicht überzeugt mich ja jemand 🙂

    Das ist mein Erfahrungsschatz. Hoffe, du kannst aus den Antworten etwas für dich herausziehen. Ich fände es natürlich auch super, wenn noch weitere aus ihrer Perspektive berichten könnten.

    Herzliche Grüße
    Anke

    • Hallo liebe Anke,
      ganz herzlichen Dank für deinen ausführlichen Kommentar! wir müssen uns unbedingt einmal persönlich kennenlernen!
      Natürlich habe ich nicht nur das Standbein Museumsführungen! Vom Hocker wissen wir, dass es mindestens drei Standbeine braucht, um einigermaßen stabil zu stehen. Ich mache auch Stadtführungen und leite Studienreisen, deshalb bin ich auch „kunstundreisen“ auf twitter, facebook und im Blog 🙂 Dazu habe ich noch diverse Spielbeine!
      Ich kann zur Zeit von meinen freiberuflichen Einkünften leben. Aber jetzt drückt mich die Umsatzsteuerpflicht sehr. Denn du weißt, Museen, Volkshochschulen etc. sind als Bildungseinrichtungen von der Umsatzsteuer befreit. Wir freien Mitarbeiter müssen aber die Umsatzsteuer bezahlen, sobald wir die Kleinunternehmergrenze überschritten haben. Da die Bildungseinrichtungen, die Umsatzsteuer nicht zusätzlich bezahlen, sind das gewaltige Honorarverluste, die jetzt das Finanzamt kassiert. Wie gerne würde ich stattdessen eine bessere Altersvorsorge aufbauen! Denn ich merke auch, dass Kunst- und Kulturvermittlung mit Leidenschaft durchaus Kräfte zehrt!
      Leider erlebe ich unter den freien Mitarbeitern wenig Solidarität. Deshalb wollte ich hier mal eine offene Diskussion anregen und verschiedene Erfahrungen zusammentragen.
      Vielen Dank für dein Interesse und viel Spaß bei der Bloggerreise nach Karlsruhe und Basel.
      Grüsse an Nadja Elia-Borer. Ich war im Sommer 2014 die Pilotbloggerin! Auf meinem Blog findest du mehrere Beiträge über Basel.
      Herzliche Grüsse
      Andrea

  3. annette

    ich habe den beitrag in meiner facebook gruppe geteilt- es fällt mir leichter, dort zun diskutieren. gruß annette
    https://www.facebook.com/pages/Unpaid-ART-Workers/404210843033186?fref=nf

    • Hallo Annette,
      danke für dein Interesse und fürs Teilen.
      Gruss Andrea
      Interessante Facebook-Gruppe: „unpaid art workers“

  4. Liebe Andrea,

    genau über diese Frage, wie man als freie Kulturvermittlerin mit dem Problem der Umsatzsteuerpflicht umgeht, bin ich auf Deinen Blogbeitrag gestoßen, der, wie ich finde, das Dilemma unseres Berufes genau auf den Punkt bringt.
    Ich bin selbst im Auftrag verschiedener Museen in Baden-Württemberg und auch als Stadtführerin im Einsatz. Bislang hatte ich das Problem mit der Umsatzsteuerpflich (leider) noch nicht, aber da ich langfristig danach strebe, von meinem Einkommen auch leben zu können (momentan überlebe ich nur dank Ehegatten-Sponsoring – soviel zu „sozielen“ Netzen 😉 ), womit mir dieses Problem automatisch irgendwann ins Haus stehen wird.
    Leider habe ich darauf auch noch keine andere Antwort gefunden, als daß die Honorare eben so hoch sein müssten, daß nach Abzug aller Nebenkosten und Umsatzsteuer noch so viel übrig bleibt, daß es zum Leben reicht (und auch meinem Ausbildungsgrad angemessen ist). Leider stelle ich derzeit allerdings gerade gegenteilige Tendenzen fest. Museen bieten den bisher freien Mitarbeitern sogenannte „flexible Minijobs“ (keine SV-Beiträge und max. 9 Monate im Jahr) mit einer Einstufung zwischen E5 und E9 an! Zum Vergleich: Ein Hochschulabschluß würde eine Einstufung mit E13 rechtfertigen.
    Meines Erachtens können wir freien Kulturvermittler diesem Honorardumping nur durch „zertifizierte Qualität“, „Vernetzung untereinander“ und „Kommunikation nach außen“ entgegenwirken.
    Wir müssen uns unserer Qualität bewußt werden und diese auch nach außen kommunizieren. Den Museen und Besuchern die Möglichkeit geben, die Qualität unserer Arbeit einschätzen und „Wert schätzen“ zu können.
    Leider weiß ich als Besucher oft nicht, welche Qualifikation der/die Führer*in hat. Da fällt es dem Besucher schwer, für gutes Geld eine „Katze im Sack“ zu buchen und den Museen leicht, auch auf Führungskräfte ohne besondere Qualifikation zurückzugreifen. Wäre aber gesichert, daß die Führer*innen eine qualifizierte Hoch¬schul¬ausbildung sowie fundierte Erfahrung in der Begleitung unterschiedlicher Besuchergruppen vorweisen können, ließen sich auch höhere Führungshonorare rechtfertigen.
    Um die „Qualität“ eines/r Kulturvermitlers*in transparent zu machen, könnte ich mir eine Zertifizierung nach einem Punktesystem, wie es die freiberuflichen Osteoanthropologen innerhalb des BfK – Bundesverbandes freiberuflicher Kulturwissenschaftler ( http://www.b-f-k.de/service/register.php ) für sich entwickelt haben, gut vorstellen.
    Mit dieser Zertifizierung, die von der GfA – Gesellschaft für Anthropologie (http://www.gfanet.de/?q=node/71 ) nach festgesetzten Regeln (Hinweise zur Zertifizierung der Osteoanthropologen ) durchgeführt wird, haben die freiberuflichen Osteoanthropologen wohl sehr gute Erfahrungen gemacht. Einen ähnlichen, auf die Anforderungen der Kulturvermittlung abgestimmten Zertifizierungskatalog (Kriterien für die Zertifizierung der freiberuflichen Osteoanthropologen) könnte ich mir gut vorstellen und wäre gerne bereit, mich dafür mit Kolleg*innen unter dem BfK zu vernetzen, um einen solchen für uns freie Kulturvermittler zu erarbeiten, der dem bunten Strauß an Qualifikationen, den wir Kulturvermittler mitbringen, gerecht wird und unsere Vielseitigkeit sichtbar macht. Vielleicht hast Du, Andrea, und weitere engagierte Kolleg*innen ja Lust, daran mitzuarbeiten? Ich würde mich über Rückmeldungen sehr freuen – auch dann, wenn Ihr diesen Ansatz für nicht gut befindet! – Der BfK gibt im Übrigen auch Honorarempfehlungen für freiberufliche Kulturwissenschaftler heraus (http://www.b-f-k.de/service/info-honorare.php ).
    Ich hoffe, ich konnte Dir und vielleicht anderen hiermit einen kleinen Denkanstoß geben und wünsche uns allen (trotz zeitweiligen Unmutes über die unbefriedigende Situation in der Kulturvermittlung) weiterhin viel Spaß im Museum und anderswo!

    Mit herzlichen Grüßen

    Iris

  5. Max Zeidler

    Hallo Andrea,
    habe gerade in München im November 2016 die gleiche Erfahrung gemacht.
    Als freiberuflicher Stadtführer wollte mich ein Museum für Führungen und museumspädagogische Kindergeburtstage buchen.

    Neben Stunden von eigenen Recherchen haben auch meine Beratungsanfrage bei Mediafon und Anrufe bei der Instanz in Bayern ergeben, die Umsatzsteuerbefreiung für „museale Tätigkeiten“ aussprechen kann (das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege): Wir Freiberuflichen, die umsatzsteuerpflichtig sind (was bei einer Grenze von € 17.500 leicht erreicht wird…) müssen Umsatzsteuer in Rechnung stellen, wenn wir fürs Museum arbeiten. Hier noch ein Urteil dazu… http://www.gesetze-bayern.de/Content/Document/Y-300-Z-BECKRS-B-2014-N-45166?hl=true&AspxAutoDetectCookieSupport=1 Stichworte: Befreiung von der Umsatzsteuer; Erteilung einer Bescheinigung; Kunsthistorikerin; Museumsführungen

    Im Umkehrschluss heißt das: Wenn das Museum sich nicht berufen fühlt, diesen Steuernachteil auszugleichen, dann müssen wir Freie letztendlich 19% mehr verlangen als KollegInnen, die einen anderen Steuerstatus haben, um das gleiche Nettoentgelt zu kommen. Großartig. Und hat bei mir auch dazugeführt, dass der Auftrag nicht zustande gekommen ist.

    (Das Land Berlin gleicht diese Unfairness übrigens au https://www.berlin.de/sen/soziales/berliner-sozialrecht/land/av/honvsoz.html#3) Punkt 8. Steuern „(2) Abweichend von Absatz 1 Buchstabe e) findet eine Erstattung der Umsatzsteuer statt, wenn die Honorarkraft gegenüber dem Auftraggeber schriftlich erklärt, dass sie beim Finanzamt als umsatzsteuerpflichtig geführt wird (das zuständige Finanzamt und die USt-Nr. oder die USt-ID-Nr. sind zu benennen), und dass sie die Umsatzsteuer an das Finanzamt abführen wird. Die Umsatzsteuer (mit USt-Nr. bzw. USt-ID-Nr. versehen) ist in der Rechnung gesondert auszuweisen.

    https://www.berlin.de/sen/soziales/berliner-sozialrecht/land/av/honvsoz.html#3)

    Dass ich das alles nicht fair finde, versteht sich von selbst. Solltest Du/Ihr aktiv werden mit einer Petition oder Demo vor dem Bundesfinanzministerium (die Hoffnung stirbt zuletzt;)), dann bin ich gern dabei. Bitte Infos dann an mz@intervox-pr.de T: 089-292534

    • Hallo Max,
      vielen Dank für deinen interessanten Kommentar zur Frage der UMSATZSTEUER für freiberufliche Kulturarbeiter. Das ist wirklich ein großes Problem. Ich musste für mehrere Jahre Umsatzsteuer nachzahlen. Sämtliche Kultureinrichtungen, Museen, Volkshochschulen, Bildungswerke, etc. für die ich freiberuflich arbeite, sind laut Gesetz von der Umsatzsteuer befreit. Sie bezahlen mir nicht die Umsatzsteuer zusätzlich. Sie wird von meinem Honorar abgezogen. Ein Trauerspiel! Ich wäre froh, wenn wir freien Kulturarbeiter uns da besser vernetzen und Lobbyarbeit für unsere Interessen machen könnten.
      Ich werde meinen Beitrag mal wieder teilen …
      Herzliche Grüsse nach München, Andrea

  6. Liebe Andrea, wichtig und engagiert das du so ein Thema in den Mittelpunkt eines Diskurs stellst. Auch bei uns in Österreich ist bzw. war die prekäre Anstellungssituation der freien Dienstverträge und Werkverträge ähnlich. Ich schreibe war, weil sich hier in Österreich aufgrund einer neuen Gesetzeslage diese Situation flächendeckend ändern muss und alle MirarbeiterInnen eines Museums feste Anstellungsverhältnisse bekommen müssen. So wird also das gesamte Team angestellt werden. Dadurch werden sich auch neue Verhältnisse entwickeln auch was Zuständigkeiten betrifft. Ein paar Museen haben bereits umgestellt, z.B. Schönbrunn, KHM, hier in Salzburg ist das Salzburg Museum in den finalen Umsetzungsschritten. Da ich selbst über 8 Jahre einen freien Dienstvertrag im MDM Salzburg hatte, weiß ich um diese prekäre Situation gut Bescheid. Grundsätzlich müssten wir einfach besser und selbstbewusster verhandeln. Natürlich müsste das Museum entweder mehr bezahlen, oder die Ust. zahlen. Wir müssten mehr wie UnternehmerInnen auftreten und Marktwirtschaftlich denken und agieren. Ausbildung, Zertifizierung, Weiterbildungen, Erfahrungen als Verhandlungspunkte geltend machen. Ich selbst bin nun seit 5 Jahren im Rahmen meiner Inititiave selbstständig, aber falle noch immer unter die Kleinunternehmer Regelung aber so wie es aussieht werde ich 2018 drüber kommen und daher bewusst die neuen Honorarsätze höher veranschlagen. Ich habe seit Jahren einen Steuerberater, der mich sehr gut beraten kann. Ich mache immer pro Halbjahr einen check mit ihm ob ich drüber komme und wir was ändern müssen. Wir haben auch einen Verband der österreichischen kulturvermittlerInnen, der diesbezüglich auch Ansprechpartner und Vernetzung darstellt. Aber solange die rechtliche Situation so schwammig ist, sind wir selbst gefordert stärker aufzutreten und uns nicht unter unserem Wert zu verkaufen. Liebe Grüße Anita

    • Liebe Anita,
      danke für dein Interesse am Thema „Freiberuflichkeit im Museum“ und für deinen Kommentar über die Situation in Österreich. In Deutschland ist nach meiner Einschätzung die Situation komplett anders. Die Museen tun alles, um nicht den Eindruck zu erwecken, die freien Mitarbeiter seien nur „scheinselbständig“. Wie schon im Blogbeitrag beschrieben, bekommen wir „Freien“ hier keine Kataloge mehr zur Vorbereitung, dürfen neuerdings auch nicht mehr das Namensschild tragen mit dem Logo des Museums. Man möchte unbedingt vermeiden, uns sozialversicherungspflichtig zu beschäftigen. Das bedeutet, dass wir Freien uns auch unser „soziales Netz“ im real life selbst knüpfen müssen, eben für unsere Kranken-, Pflegeversicherung und die Altersabsicherung selbst sorgen müssen. Das fällt Berufsanfängern nicht leicht. Wenn man schon eine gewisse Berufserfahrung hinter sich hat, gibt es durchaus auch Zukunftsangst vor einer geringfügigen Altersversorgung.
      Ich freue mich auf eine weitere Diskussion und gegenseitige Beratung und Unterstützung,
      herzliche Grüsse aus Stuttgart.
      Andrea

  7. Isa Bickmann

    Liebe Andrea,

    danke noch einmal für Deinen Kommentar auf dem arthistoricumblog. Jeder Freiberufler einer anderen Branche lacht sich tot, wenn er liest, mit was für Honoraren im Kulturbetrieb Arbeit vergolten wird. Mein Steuerberater wundert sich ebenfalls. Deshalb nutze ich im o.g. Blog auch immer den Freiraum für die sozialen Aspekte meines Fachs – das wird vergleichsweise viel gelesen und auch kommentiert.
    Ich habe jahrelang meine Steuererklärung ohne Hilfe gemacht und habe daher einen guten Durchblick, bin sorgsam und pünktlich. Das ist enorm wichtig, wie Du ja nun siehst. Eigentlich kann man nur über die Runden kommen, wenn man die mehrwertsteuerbefreiten Einrichtungen weitestgehend herauslässt (was natürlich kaum möglich sein wird, wenn man Museumspädagogin ist). Ich habe jahrlang Kurse bei der Frankfurter VHS gegeben, das eher als Hobby betrachtet (ist ja auch steuerfrei bis zu bestimmter Grenze). Bei einer Dozentenversammlung, in die ich eher zufällig geriet, wurde mir erst bewusst, wie brutal das ganze System ist: Da saßen leidenschaftliche Lehrerinnen für die sog. DAF-Bereiche (Deutsch als Fremdsprache), die 100 Prozent für die VHS arbeiten, sich selbst versichern müssen, kein Urlaubsgeld bekommen, nix bei krankheitsbedingtem Ausfall und als Alleinerziehende teilweise aufstocken müssen. Und das sind diejenigen, die an forderster Front beim Thema Integration arbeiten! (die Solidarität untereinander hat aber da auch nicht funktioniert, verlief im Sande. Wer täglich um sein Brot kämpft, hat keinen Freiraum dafür. Damit arbeitet ja das System). Ich habe es jedenfalls nicht fassen können, dass die Stadt Frankfurt am Main (die Honorare liegen bundesweit teilweise kaum bei 20/25 Euro brutto) so etwas zulässt. An meinem stets ausgebuchten Kurs verdiente die VHS richtig Geld: zwei Drittel der Gebühren der Teilnehmer.
    Seitdem organisiere ich die Führungen selbst, auf eigene Rechnung. Das bedeutet zwar etwas zusätzliche Arbeit und ist nicht mehr steuerfrei, aber ich muss auch keine Protokolle mehr führen oder zusätzliche Arbeiten (Evaluierungsumfrageblätter verteilen und einsammeln!) übernehmen.
    Dies alles setzt natürlich voraus, dass man breit aufgestellt ist. Das ist für mich auch ausschlaggebend für die freiberufliche Tätigkeit gewesen. Ich habe sie gewählt, weil ich nicht mehr nur für eine Person oder Institution arbeiten wollte. Das war eine bewusste Entscheidung, keine Zwangshandlung. Ich möchte mir die Jobs aussuchen. Ich gönne mir auch ehrenamtliche Tätigkeiten (Faust Kultur), auch mal einen schlecht bezahlten Job wie eine Lehrtätigkeit an der Uni (noch schlimmer als VHS), an dem ich Spaß habe, aber das Gros muss über anständig honorierte Dienste (Text- und PR-Arbeit) laufen.
    Ich wundere mich sowieso, warum dieses ganze Scheinselbstständigkeitsding in Kunst und Kultur noch nicht aufgeflogen ist.
    Das, was Du machst, ist schon richtig: Wir müssen offen darüber reden, immer wieder, bis irgendwer zuhört. Auch in den Verbänden, denn die sind unsere Lobby. Auch mit den Festangestellten. Auch mit den Professoren. Auch mit den Studierenden. Warum nicht mal Frau Grütters anschreiben?
    Viele Grüße
    Isa

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