Unterwegs in Armenien

Eine armenische Legende

Armenien.  Foto © Welz

Des Menschen Leben

Als Gott der Herr die Welt geschaffen hatte, verlieh er allen Geschöpfen die gleiche Lebensdauer von 30 Jahren und alle waren damit zufrieden.

Da trat eines schönen Tages der Esel vor den Herrn der Welt und brachte seine Klagen vor:
„Wie soll ich 30 Jahre leben, wenn man mich tagaus tagein mit schweren Weizensäcken belädt und zur Mühle treibt. Dort lässt man mich Armen hungrig und durstig dastehen, um mich mit Mehlsäcken beladen nach Haus zu treiben. Man behandelt mich schlecht, prügelt mich den ganzen Tag. Ich bitte Dich, o Herr, verkürze mein Leben.“
Der Herr kürzte sein Leben um 18 Jahre und beließ ihm 12 Jahre.

Bald kam auch der Hund mit seiner Klage vor den Herrn:
„Ich halte dieses Leben nicht 30 Jahre aus! Tag und Nacht soll ich Haus und Hof bewachen, Hunger und Kälte ertragen, Schläge und Fußtritte hinnehmen. Immerfort soll ich bellen, aber bald verliere ich meine Zähne und dann hat niemand mehr Respekt vor mir!“
Und der Herr erbarmte sich seiner, nahm im 12 Lebensjahre ab und beließ ihm 18 Jahre.

Dann kam der Affe und sagte:
„Ich kann doch nicht 30 Jahre hintereinander Sprünge machen und Possen reißen und vor Jung und Alt den Hanswurst spielen. Verkürze mein unwürdiges Dasein!“
Und der Herr verkürzte das Leben des Affen um 10 Jahre, so dass ihm nur 20 Jahre verblieben.

Schließlich trat der Mensch vor den Herrn und klagte:
„Du hast mir 30 Jahre verliehen, doch das ist zu wenig. Wie kann ich in so kurzer Zeit Felder und Gärten anlegen, Häuser bauen und ein Vermögen für eine Familie zu sammeln? Ich bitte Dich, oh Herr, verlängere mein Leben!“

Da sprach der Herr:
Alle verzichten auf einen Teil ihrer Lebensdauer und bitten um Verkürzung, nur Du allein bittest um Verlängerung. Ich schenke Dir die 18 Jahre des Esels, die 12 Jahre des Hundes und die 10 Jahre des Affen. Jetzt sei zufrieden!“

Seitdem lebt der Mensch sein wahres Leben 30 Jahre lang. Dann kommen die Eselsjahre, er schafft und müht sich für seine Familie ab.
Nach dem 48. Lebensjahr kommen die Hundejahre; ängstlich bewacht er Haus und Habe, knurrt das heranwachsende Geschlecht an und vermag doch nichts gegen dessen jugendliche Triebe und Ansprüche.
Nach dem 60. Lebensjahr beginnen die Affenjahre, der Mensch wird in den Augen der Jungen lächerlich und so erreicht er das 70. Jahr. Wenn er dieses überschreitet, klagt er den himmlischen Mächten:
„Ihr habt vergessen, mich zur Zeit abzurufen.“

Quelle unbekannt.

 

Armenien: Zoraz Karer. Foto © Welz

 

Freitag, 28.04.2017 –  Sonntag, 07.05.2017
Am Fuße des Ararat
Prähistorische Kultstätten, frühchristliche Kirchen und zu Füßen des Berges Ararat ein überwältigendes Land – das Juwel des südlichen Kaukasus entdecken…
Eine Kulturstudienreise mit kleinen Wanderungen für Kulturgemeinschaft-BINDER Reisen Stuttgart.
Reiseleitung: Andrea Welz, Kunsthistorikerin M.A.

 

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